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ADHS - Eine Krankheit mit vielen Vorurteilen

Sie werden "Zappelphilipp" oder "Traumsuse" genannt und hören Sätze wie "Sitz doch mal still!" oder "Konzentrier Dich endlich!" - ganz so, als wäre das, was sie tun bzw. lassen, Ausdruck bewussten Ungehorsams.
Doch Personen mit ADHS sind keine rebellischen Geister, denen es an strenger Hand mangelt - sondern vielfach missverstandene Menschen mit einem ernstzunehmenden Leiden.

Altbekanntes Leiden

Obwohl sie häufig als "Mode-Diagnose" abgetan wird, ist die Krankheit mit ihren typischen Erscheinungszeichen nicht neu - sondern lediglich neu interpretiert. Bekannt aber ist sie schon länger: Bereits in antiken Hochkulturen lebten Menschen, die "anders" waren. Die Gelehrten ihrer Zeit beschrieben sie als "Donnerkinder" oder als Personen, die ein "Zuviel des Elements Feuer" in sich tragen.

Nicht selten wurden den Betroffenen besondere Fähigkeiten nachgesagt, durch die sie aus der durchschnittlichen Gemeinschaft herausragten und spezielle Aufgaben erhielten. Auch aus den Erzählungen und Dokumenten vergangener Epochen lässt sich das symptomatische Bild von ADHS ablesen. Moderne Deutungen gehen davon aus, dass mythologische Gestalten wie Herkules und Petrus oder historisch belegte Persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci und Wolfgang Amadeus Mozart an ADHS erkrankt waren. 

Doch während sie noch als interessante "entfant terribles" (in etwa furchtbare Kinder) galten und trotz ihrer Eigenheiten wie selbstverständlich in die Gesellschaft integriert waren, begannen später lebende ADHS-Patienten unangenehm aufzufallen. Im Zuge neu formierter Gesellschaftsstrukturen und damit einhergehender Anforderungen änderte sich das "schickliche" Bild. Unruhige oder leicht ablenkbare Personen passten weniger denn je ins System. Durch die Anforderungen des immer schneller werdenden Lebens wurde die bis dato zwar existente, aber kaum existenzielle Krankheit zum Leiden.

Bezeichnung und Merkmale von ADHS

Vollständig ausgesprochen handelt es sich bei ADHS um eine Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung, die sich durch

  • mangelnde Aufmerksamkeit oder Konzentrationsfähigkeit,
  • fehlende Ausdauer,
  • starke Impulsivität und
  • eingeschränkte Selbstregulation

äußert. Die Betroffenen sind nicht oder nur schwer in der Lage, Anforderungen zu erfüllen oder Regeln zu befolgen und fallen im allgemeinen gesellschaftlichen Kontext immer wieder unangenehm auf. Die äußerlich erkennbaren und meist als störend empfundenen Anzeichen für ADHS reichen von geistiger Abwesenheit und Tagträumereien über das Unvermögen Ordnung zu halten bis zu häufigem ungefragten Reden und körperlicher Unruhe.

Wissenschaftlich betrachtet

Im ausgehenden 18. Jahrhundert war sie erstmals Gegenstand wissenschaftlicher Erörterungen. Dabei fällt auf, dass die am längsten zurückliegenden Thesen dem heutigen Forschungsstand am nächsten kommen: Schon 1798 äußerte der schottische Arzt und Autor Sir Alexander Crichton, dass die von ihm beobachtete Unruhe einzelner Personen auf einer "krankhaft bedingten Sensibilität der Nerven" beruhen könne. Rund 50 Jahre später regte sein in Berlin tätiger Berufskollege Wilhelm Griesinger an, die Ursache für ADHS im Gehirn zu suchen, wo er eine "gestörte Reaktion (...) auf die einwirkenden Reize" vermutete.

Tatsächlich gilt es heute als erwiesen, dass ADHS-Patienten alle äußeren Reize als gleichwertig wahrnehmen - also nicht zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden können. Demzufolge sehen sie sich einer permanenten Reiz-Überflutung ausgesetzt.

Des Weiteren ist ihr Gyrus Cinguli, der Teil im Gehirn der für emotionale Prozesse wie Impulskontrolle oder auch rationale Vorgänge wie die Entscheidungsfindung sowie weitere autonome Funktionen zuständig ist, deutlich kleiner als bei Nichtbetroffenen -  weswegen er nur zum Teil oder gar nicht funktioniert.

Die Folge davon ist, dass ADHS-Patienten in emotionalen oder sozialen Konflikt-Situationen keine zukunftsorientierten Entscheidungen treffen können. Sie reagieren impulsiv und ausschließlich auf die gerade herrschenden Gegebenheiten.

Dem gegenüber muten Diagnosen über "moralisches Irresein" oder das Vorliegen "konstitutioneller Charakterfehler" an wie ein Affront. Sie entstammen den 1867 und 1890 geschwungenen Federn des englischen Kinderpsychiaters Henry Maudsley und des deutschen Pädagogen Ludwig von Strümpell. Auch die von George Miller Beard geäußerte Vermutung, das Leiden sei auf die erhöhten Anforderungen der industriellen Entwicklung zurückzuführen, wirken wie ein hilfloser Erklärungsversuch.

ADHS und Stress

Ganz unbegründet war die Annahme des US-amerikanischen Neurologen allerdings nicht. Er hatte richtig beobachtet, dass sich die Symptome von ADHS unter Stress verstärken - unabhängig davon, ob es sich um positive oder negative Erregung handelt. Der heutige Wissenschafts-Stand bestätigt: Die ohnehin eingeschränkte Funktion des Stirnhirns wird durch körpereigene Hormone noch weiter reduziert. Sind ADHS-Patienten dauerndem oder immer wiederkehrendem Stress ausgesetzt, zeigen sie eine Reihe typischer Reaktionen, von denen

  1. Blackouts
  2. Muskelverspannungen
  3. unverhältnismäßige emotionale Ausbrüche

die wohl bekanntesten sind.
Darüber hinaus kann es durch den stressbedingten Serotonin-Mangel zu Begleiterscheinungen wie gestörtem Schlaf-Wach-Rhythmus, geschwächter Abwehr, Ess-Störungen und reduzierter Libido kommen, in deren Folge sich Burnout, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Angst- und Zwangsstörungen oder auch Depressionen ausbilden bzw. manifestieren.

ADHS erkennen

Damit ähnelt ADHS zahlreichen anderen Krankheitsbildern - und wirft die Frage auf, wie zuverlässig die Störung diagnostiziert werden kann. Gerade bei Kindern lassen sich einige Symptome nur schwer von entwicklungstypischen Verhaltensweisen unterscheiden.

So können das Ablehnen von Körperkontakt, motorische Unruhe, mangelnde oder fehlende Aufmerksamkeit, auffallend früher oder später Spracherwerb, eine schnelle Ablenkbarkeit, Nichteinhalten von Regeln, Lese-Rechtschreib- oder Rechen-Schwäche, ein mangelnder Ordnungssinn, geringe Frustrationstoleranz oder ständiges Reden auch andere Gründe als das Vorliegen einer ADHS-Erkrankung haben.

Zu diesen Faktoren zählen auch

  1. unpassende Gestik und Mimik
  2. erhöhte Sensibilität
  3. schnelles Beleidigtsein
  4. Ungeschicklichkeit
  5. "Null-Bock"- oder Antihaltung
  6. Bereitschaft zu Suchtmittel-Konsum

Daher raten Kinder- und Jugendärzte bzw. -psychologen dringend davon ab, einen im Internet oder der Zeitschrift verfügbaren Selbsttest zu machen. Er kann bestenfalls als Anhaltspunkt dienen; ersetzt jedoch niemals das Gespräch mit speziell geschulten Medizinern. Für gewöhnlich arbeiten diese eng mit den Eltern, Lehrern, Erziehern und anderen Betreuungspersonen des evtl. betroffenen Kindes zusammen. In Interviews und durch Tagebucheinträge bzw. Videoaufzeichnungen erfassen sie Anzeichen und Situationen, die auf ADHS schließen lassen. Dabei finden auch der Schwangerschafts- und Geburtsverlauf sowie das familiäre und das soziale Umfeld der kleinen PatientInnen Berücksichtigung.

Bei Erwachsenen deuten häufiges oder ständiges Zuspätkommen, Vergesslichkeit, "Aufschieberitis", die Unfähigkeit Abläufe zu organisieren und planvoll vorzugehen, geringe Frustrations- und Stresstoleranz und eine Impulsivität, sowie

  1. Stimmungsschwankungen
  2. Sensibilität
  3. Verletzlichkeit
  4. Reizbarkeit
  5. Jähzorn
  6. unverblümte Meinungsäußerungen

auf das Vorliegen einer ADHS-Erkrankung hin. Wie bei Kindern und Jugendlichen spielen beim ergründenden Test das Familien- und Sozialgefüge; darüber hinaus aber auch die körperliche und geistige Entwicklung, Vorerkrankungen, bestehende psychische Leiden und Suchtmittel-Gebrauch eine Rolle.