Extrakilos im Winter
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Warum nehmen wir während der Winterzeit immer ein paar Kilos zu?

Wahrscheinlich ist Ihnen das Phänomen bekannt, im Winter nicht nur wärmeres Gewand, sondern auch zwei, drei Kilos mehr zu tragen. Will uns der Körper damit vor dem Erfrieren bewahren, und wir brauchen das Fett? Liegt der Winterspeck in der Evolution und wir sind deswegen machtlos gegen die Gewichtszunahme? Falls Sie das bisher vermutet haben, müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass Sie falsch liegen…

Essen gegen das Frieren?

„Iss was, kein Wunder, dass dir ständig kalt ist!“ Na, kennen Sie diesen Spruch noch von Mutter oder Großmutter? Es war sicherlich gut gemeint, aber entspricht nicht den Tatsachen. Forschungen zufolge frieren sogar Menschen mit überflüssigen Kilos schneller als Normalgewichtige. Die angefutterten Kalorien verwandeln sich nämlich in weißes, bzw. gelbliches Fettgewebe, welches nur als Speicherfett dient.

Zur Wärmeerzeugung wird braunes, bzw. beiges Fettgewebe benötigt, welches im Körper nur selten vorkommt, und zwar an Hals, Rücken und Schlüsselbeinen. Über mehr braunes Fett verfügen Babys, die noch sehr vor der Kälte geschützt werden müssen. Das Besondere am braunen Fett ist, dass es gut durchblutet ist und voller Mitochondrien steckt, die über eine hohe Brennkraft verfügen. Es werden viele Kalorien verbrannt, dadurch entsteht Wärme, ein Vorgang, der sich Thermogenese nennt.

Und wie kommt man nun an dieses gute, braune Fett, wenn nicht durch eine deftige Mahlzeit? Interessanterweise vermehrt sich braunes Fettgewebe bei Kälte, Sport ist förderlich für die Bildung, und das Hormon Orexin ist notwendig für die volle Brennkraft.

Evolutionsbedingt mehr Hunger im Winter?

Während wir uns an warmen Tagen ohne weiteres mit einem griechischen Salat oder einem leichten Fischgericht gesättigt fühlen, gelüstet uns vor allem im Herbst und im Winter nach Kohlenhydraten und Fett. Die Lust auf Kohlenhydrate kann instinktiv dadurch bedingt sein, dass diese den Serotoninspiegel, und damit verbunden die Stimmung heben sollen. Vor allem in der Zeit des Lichtmangels im Winter ist dies von Bedeutung.

Unsere Vorfahren in der Steinzeit hatten im Winter stets mit Hungersnöten zu kämpfen, da Jagen und Sammeln oft länger ausfiel. Deswegen legten sie sich, ähnlich den Tieren, die einen Winterschlaf halten, Fettreserven zu. Wenn wir jetzt argumentieren, dass wir dieses Verhalten noch instinktiv in uns tragen und uns den Winterspeck quasi anfuttern „müssen“, weil es uns die Gene befehlen, liegen wir falsch. Denn dann hätten wir im Sommer damit beginnen müssen, Fett einzulagern, damit es jetzt bereits wirken kann. Unsere Vorfahren machten sich die Tatsache zunutze, dass es im Sommer genügend Essbares gibt, um sich davon einen Vorrat anzulegen.

Bewegungsmangel und süße Verwöhneinheiten

In der kalten Jahreszeit ist unser Drang nach Bewegung am niedrigsten, und die abendliche Couch-Session hat Hochsaison. Außerdem steigt im Winter unser Schlafbedürfnis. Dem nachzugeben ist allerdings nicht verkehrt, solange man es nicht übertreibt, denn zu wenig Schlaf fördert Hunger und Appetitgefühl.

Eine weitere Rolle für das Plus auf der Waage spielt auch, dass wir uns gerne mit Süßem verwöhnen, da uns der Lichtmangel stimmungsmäßig zu schaffen macht. Und Schokolade führt zu einem kurzzeitigen Ansteigen der Glücksgefühle. Nachdem wir auch im Winter keine Bikinifigur halten müssen, fällt uns der Griff zur Schokolade dementsprechend leicht.

Wie entgeht man den Extrakilos im Winter?

Zu allererst gilt: Wegen ein, zwei saisonalen Extrakilos braucht niemand in Panik zu verfallen, diese sollte man einfach tolerieren. Allerdings sollte man auch im Winter auf gesunde Ernährung achten, es sollte auch öfter öliger Fisch am Speisenplan stehen. Um dem Mangel an Vitamin D entgegenzuwirken, sollten Sie zumindest 20 Minuten am Tag im Freien verbringen. Versuchen Sie trotz Kälte und Lockruf der Wohnzimmercouch, aktiv zu bleiben, gehen Sie ins Fitnessstudio, zum Tanzen oder Skilaufen. Denken Sie auch daran, sich ausreichend Schlaf zu gönnen. Und vergessen Sie nicht – der nächste Sommer kommt bestimmt!

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