fruehlingsgefuehle

Verlieben im Frühling – Klischee oder Ergebnis der Biochemie?


Nachdem der nahende Frühling in den letzten Tagen ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben hat, steigt mit der Temperatur auch unsere Laune. Und schon erwachen sie wieder aus ihrem Winterschlaf: Die Frühlingsgefühle!

In unserem heutigen Artikel gehen wir der Frage auf den Grund, ob es die Frühlingsgefühle wirklich gibt. eurapon hat für Sie recherchiert…

Frühlingsgefühle sind psychologisch bestätigt

Unsere steigende Stimmung im Frühling ist keine Einbildung, sondern das Resultat eines Hormoncocktails: Die Bildung des Schlafhormons Melatonin, dessen Spiegel im Winter aufgrund der Dunkelheit auch tagsüber erhöht ist, verringert sich. Dafür kommt der Gegenspieler zum Zug, das Serotonin, welches auch als „Glückshormon“ bezeichnet wird. Für dessen Bildung braucht es Helligkeit und Sonnenlicht. Serotonin macht uns ausgeglichen, gelassen und zufrieden.

Wenn wir uns von den Sonnenstrahlen wärmen lassen, schüttet unser Körper zusätzlich Endorphine aus. Diese Botenstoffe wirken schmerzstillend und werden bei positiven Erlebnissen gebildet.

Bei Männern spielt im Frühjahr und Sommer auch noch ein weiteres Hormon eine wichtige Rolle, und zwar das Sexualhormon Testosteron, dessen Spiegel zu dieser Zeit um bis zu 15 % höher ist. Dieses Hormon ist auch für die männliche Psyche wichtig und sorgt für ein Wohlbefinden in der eigenen Haut. Die weiblichen Sexualhormone hingegen unterliegen keinem bestimmten jahreszeitlichen Rhythmus.

Zu guter Letzt kommt im Frühling noch eine ordentliche Portion Vitamin D obendrauf, denn um dieses produzieren zu können, brauchen wir ebenfalls Sonne auf der Haut. Mittels UVB-Strahlung und einer in der Leber produzierten Vorstufe stellt unser Körper das Vitamin D in der Haut her. Viele Studien legen nahe, dass wir im Winter auch deshalb oftmals an depressiver Verstimmung leiden, weil wir an einem Mangel an Vitamin D leiden. Für ein funktionierendes Immunsystem, stabile Knochen und gesunde Muskeln ist Vitamin D ebenfalls wichtig.

Herzklopfen im Frühling – nur reine Biochemie?

Wir wissen, welche Hormone und Botenstoffe wir brauchen und produzieren, um Frühlingsgefühle zu erwecken. Liegt es nur daran, dass sich im Frühling besonders viele Paare verlieben? Tatsächlich gibt es keine statistischen Beweise dafür, dass der Frühling auf die Paarbildung einen besonderen Einfluss hat.

Was natürlich außer Frage steht, ist, dass der Mensch gemeinsam mit der Natur erwacht. Bei wärmeren Temperaturen werden die dicken Pullis zurück in den Schrank geräumt, Kleider und Röcke wieder hervorgeholt. Die optischen Reize spielen für das Verlieben eine wesentliche Rolle, und diese sind im Frühjahr und Sommer nun einmal präsenter. Der Frühling stellt für die Natur einen Anfang dar – und viele Menschen haben auch in ihrem Privatleben Sehnsucht nach etwas Neuem.

Woher stammen die berühmten Schmetterlinge im Bauch?

Das Gefühl kennt jeder, der verliebt war oder bestenfalls gerade ist: Schweißnasse Hände, Herzklopfen und dieses eigenartige Kribbeln in der Magengegend. Die Schriftstellerin Florence Converse hat diesem „Symptom“ 1908 einen Namen gegeben: Schmetterlinge im Bauch. Da sich viele mit dieser Redewendung identifizieren konnten, wurde sie bald von Amerika aus über alle Kontinente verbreitet.

Nüchtern betrachtet werden die Schmetterlinge jedoch vom vegetativen Nervensystem verursacht, dem Teil des Nervensystems, das die unbewussten Prozesse im Körper steuert und neben schweißnassen Händen wohl auch das kribbelnde Gefühl im Bauch verursacht.

Das Gefühl des Verliebtseins, welches von unserem Gehirn gesteuert wird, ist vergleichbar mit einer Sucht, bzw. Zwangsneurose. Biochemisch sind Menschen, deren Gedanken ständig um die begehrte Person kreisen, psychisch krank. Die Hirnveränderungen von Menschen, welche frisch verliebt sind, und Menschen, welche Kokain konsumieren, sind ebenfalls täuschend ähnlich. Das ist wieder auf das Dopamin zurückzuführen.