Vorsorgeuntersuchung-U-Untersuchungen

U-Untersuchungen

Auch wenn Eltern beim unbeschwerten Lachen ihrer Kinder für kurze Zeit die Welt vergessen, so sehen sie sich dennoch mit vielen Fragen konfrontiert. Vor allem beim ersten Kind spüren sie oft auch Verunsicherung: Denken wir an alles? Sind wir zu vorsichtig? Machen wir was falsch? Und wenn das Kind krank wird oder Auffälligkeiten zeigt: Hätten wir besser aufpassen müssen?

Jeder Anfang ist schwer, und die Weichen fürs gesamte Leben werden in den ersten Monaten und Jahren gestellt. Deshalb ist es umso wichtiger, Abweichungen frühzeitig zu erkennen und gezielt Maßnahmen einzuleiten. Hierfür stehen die U-Untersuchungen.

Was sind U-Untersuchungen?

In Deutschland hat jedes Kind einen Anspruch auf Früherkennungs- bzw. Vorsorgeuntersuchungen. Die sogenannten U-Untersuchungen sind vergleichbar mit der Schwangerschaftsvorsorge, welche ebenfalls zu bestimmten Zeitpunkten erfolgen, ohne dass Beschwerden oder Krankheiten vorliegen. Im Fokus der U-Untersuchungen steht die Entwicklung des Kindes hinsichtlich Größe, Gewicht, Reaktionen sowie körperliche und geistige Fähigkeiten. Mit gezielten Maßnahmen können Verzögerungen rechtzeitig erkannt und aufgeholt sowie Abweichungen, Beeinträchtigungen oder Erkrankungen behoben, zumindest jedoch abgemildert werden.

Wie viele U-Untersuchungen gibt es und wo finden sie statt?

Insgesamt können Eltern mit ihrem Kind an 14 Untersuchungen teilnehmen. Dabei stehen die ersten zehn Untersuchungen (U1 bis U9) im Vordergrund, die den Zeitraum von der Geburt bis zur Einschulung abdecken. Die übrigen vier Untersuchungen (U10 und U11 sowie J1 und J2) dienen als Ergänzung.

Die ersten beiden Untersuchungen finden in der Geburtsklinik statt, die restlichen beim Kinder-/Hausarzt.

Wann finden U-Untersuchungen statt und was wird untersucht?

  • U1 (in kurzen Abständen nach der Geburt): Untersuchung der lebenswichtigen Funktionen und auf äußerliche Fehlbildungen.
  • U2 (3. bis 10. Lebenstag): Komplettcheck, sozusagen vom Scheitel bis zur Sohle.
  • U3 (4. bis 5 Lebenswoche): Zweite große Grunduntersuchung einschließlich Befragung der Eltern nach Auffälligkeiten, Beratung zu Ernährungsthemen und Maßnahmen zur Risikoreduzierung eines plötzlichen Kindstodes.
  • U5 (6. bis 7. Lebensmonat), U6 (10. bis 12. Lebensmonat), U7 (21. bis 24. Lebensmonat): Untersuchung der zeitgerechten körperlichen Entwicklung
  • U7a (34. bis 36. Lebensmonat): Erkennen von allergischen Erkrankungen, Sozialisations- und Verhaltensstörungen, Übergewicht, Sprachentwicklungsstörungen, Zahn-, Mund- und Kieferanomalien.
  • U8 (46. bis 48. Lebensmonat): Untersuchung von Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit des Kindes, Reflexe, Muskelkraft, Aussprache und Zahnstatus.
  • U9 (60. bis 64. Lebensmonat/im Jahr vor der Einschulung): Tests zu Koordinationsfähigkeit (Grob- und Feinmotorik), Sprachverständnis sowie das Hör- und Sehvermögen.
  • U10 (8. bis 9 Lebensjahr): Erkennen von Entwicklungs- und Verhaltensstörungen sowie Störungen der Motorik.
  • U11 (10. bis 11. Lebensjahr): Erkennen von schulischen sowie Sozialisations- und Verhaltensstörungen, Zahn-, Mund- und Kieferanomalien, aber auch gesundheitsschädigendem Medienverhalten.
  • J1 (13. bis 15. Lebensjahr): Klärung des Impfstatus, körperliche Untersuchung sowie Befragung nach äußerlichen Einflüssen auf die Entwicklung hinsichtlich Schule, Familie oder Sexualverhalten.
  • J2 (17. bis 18. Lebensjahr): Erkennen von Pubertäts- und Sexualitäts-, Sozialisations- und Verhaltens- und Haltungsstörungen sowie Diabetes-Vorsorge.

Wie werden Untersuchungen dokumentiert?

Im Anschluss an die erste Untersuchung U1 erhalten Eltern das sogenannte „Gelbe Heft“. Es ist auch als „Kinderuntersuchungsheft mit Teilnahmekarte“ bekannt und umfasst mehr als 60 Seiten. Darin finden sich u. a. Informationen zu den jeweiligen Untersuchungsinhalten und dazu, wann sie stattfinden. Zudem protokolliert der Arzt darin die Untersuchungsergebnisse.

Da die Informationen sehr vertraulich sind, können Eltern selbst entscheiden, wem sie die Aufzeichnungen zeigen. Weder Schulen, Kitas noch Jugendämter oder andere Institutionen dürfen Einsicht verlangen. Als Nachweis für absolvierte U-Untersuchungen reicht die Teilnahmekarte aus.

Was passiert bei Verlust des Gelben Heftes?

Sollte das Gelbe Heft oder die Teilnahmekarte verloren gehen, kann bei der Geburtsklinik, der Hebamme oder der betreuenden Praxis ein neues Heft angefordert werden.

Sind U-Untersuchungen verpflichtend?

Mit Ausnahme von Bayern, Hessen und Baden-Württemberg wird auf Freiwilligkeit gesetzt. Allerdings stellt die landeszuständige Behörde Eltern bei Verpassen einer U-Untersuchung automatisch eine schriftliche Einladung zu. Erfolgt darauf keine Rückmeldung, wird das Gesundheitsamt aktiv. Das Gesundheitsamt lädt die Eltern erneut ein. Bei ausbleibender Rückmeldung führt entweder das Gesundheitsamt oder das Jugendamt einen angekündigten Hausbesuch durch. Dies geschieht zum Wohle des Kindes, um es vor möglicher Verwahrlosung, Misshandlung oder sexuellem Missbrauch zu schützen.

Wie viel kosten U-Untersuchungen?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für sämtliche U-Untersuchungen. Jedoch können sich Abweichungen für Privatversicherte und bei Versäumnissen ergeben. Wird eine Untersuchung nicht wahrgenommen oder findet sie erst zu spät statt, können angefallene Kosten von bis zu 200 Euro Eltern in Rechnung gestellt werden.

Wie wird ein Termin vereinbart?

Eine U-Untersuchungen dauert meist länger als ein gewöhnlicher Arztbesuch. Deshalb werden gesonderte Termine vereinbart. Die Terminabsprache erfolgt in den meisten Fällen rund einen Monat vor der Untersuchung.

Was wird bei der U-Untersuchung benötigt?

Grundsätzlich sind folgende drei Dinge zu sämtlichen U-Untersuchungen mitzubringen:

  1. Gesundheitskarte des Kindes (bis zur U3 sollte die Gesundheitskarte eines Elternteils ausreichen)
  2. Impfausweis (wird nach der ersten Impfung vom Kinderarzt ausgehändigt)
  3. Gelbes Heft

Wenngleich die Anzahl der U-Untersuchungen Eltern auf den ersten Blick förmlich erschlagen und das Kind gesund wirkt, sollte eine Teilnahme unerlässlich sein. Je früher Krankheiten, Unregelmäßigkeiten oder abweichende Entwicklungen festgestellt werden, desto erfolgreicher kann eine Behandlung oder Förderung sein. Zumal viele Krankheiten oder Beeinträchtigungen nur in den ersten Jahren beseitigt oder reduziert werden können. Eltern sollten die U-Untersuchungen als Vorsorge für sowie als kostenlose Investition in die Gesundheit ihres Kindes betrachten und nicht als lästige Pflicht. Ihr Kind wird sich mit einem glücklichen Lachen bedanken.

Weitere hilfreiche Artikel für Eltern – etwa zu Ernährung, Erste Hilfe oder Schutz und Wachstum – finden Sie in unserem Elternratgeber.