thermische Wirkung von Lebensmitteln

Thermische Wirkung von Lebensmitteln zu Nutze machen

Auch wenn auf die thermische Wirkung von Lebensmitteln in der westlichen Ernährungslehre nicht so viel geachtet wird, so kennen Sie sicher die folgenden Effekte: Beim Genuss von einem intensiv gewürzten Curry steigt eine Hitzewelle auf, die nicht von der Temperatur des Essens stammt. Trinken wir hingegen Pfefferminztee, wirkt er kühlend, auch wenn der Tee warm ist.

In der Heil und Ernährungslehre der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird der thermischen Wirkung der einzelnen Nahrungsmittel große Bedeutung beigemessen.

Die TCM unterscheidet fünf verschiedene Temperaturstufen, nach denen die einzelnen Nahrungsmittel klassifiziert werden:

  • Heiß
  • Warm
  • Neutral
  • Erfrischend/kühl
  • Kalt

Je nach Art der Zubereitung oder der verwendeten Gewürze lässt sich die zugeteilte Eigenschaft meist etwas verstärken oder abschwächen. Der Grund, warum Lebensmittel solchermaßen eingeteilt werden, ist in der TCM Gesundheit und Wohlbefinden zu erlangen durch thermisch ausgeglichene Nahrungszufuhr.

Thermisch ausgeglichen essen, aber wie?

Da unsere Vorfahren nicht über das breite Angebot an Nahrungsmitteln über das ganze Jahr verfügten, wie es heute der Fall ist, ernährten sie sich instinktiv richtig, indem das saisonale Angebot genutzt wurde. So kamen automatisch erfrischende Nahrungsmittel im Sommer und wärmende im Winter zum Einsatz. Optimal wäre es, wenn wir uns zu 90 % saisonal ernähren würden, da importiertes Obst und Gemüse laut TCM-Lehre stark abkühlend wirkt.

Heute weiß man, dass sehr heiße und sehr kalte Speisen sparsam eingesetzt werden sollen. Die Grundlage sollen neutral nährende Speisen bilden, dazu gehören Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchte. Diese können Sie mit warmen oder kühlen Zutaten je nach Saison ergänzen. Neutral wirkende Speisen wirken sich positiv auf den Verdauungstrakt und die Milz aus.

Anbei einige Beispiele für Nahrungsmittel nach der TCM-Klassifikation:

Heiß: Gewürze (Ingwer, Piment, Zimt, Chili, Curry), Kaffee, Kakao, Schimmelkäse, hochprozentiger Alkohol, gegrilltes Fleisch.

Warm: Garnelen, Thunfisch, Hühnerfleisch, geräuchertes Fleisch, würziger Käse.

Neutral: Nüsse, Samen, Öle, Fette, Getreide, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Lachs, Pute, Gans, Paprika, Zucchini, Brokkoli, Spinat.

Kühl: Früchte-/Kräutertees, gesäuerte Milchprodukte, Tofu, Obst, Bier, Weißwein.

Kalt: Tomate, Gurke, Ananas, Wassermelone, Kiwi, Zitrone, Mango, Sojasauce, Krabben, Salz.

Allerdings gibt es auch bei dieser Einteilung einige Ausnahmen, deshalb sollten Sie sich bei Interesse eine Auflistung der 5 Elemente-Ernährung im Internet oder Buchhandel besorgen. Manchmal schwankt die Einteilung der Lebensmittel auch je nach Quelle, da viele der heute verwendeten Lebensmittel im alten China unbekannt waren.

Yin oder Yang-Typ?

Die TCM kennt verschiedene Einteilungen, doch grob kann man sich ein wenig daran orientieren, ob man ein Yin- oder ein Yang-Typ ist, und seine Nahrung dementsprechend auswählen. Der Yin-Typ ist blass im Gesicht, friert oft, hat Probleme mit der Verdauung und niederem Blutdruck. Er mag gern Salat und Gemüse, ist oft Vegetarier.

Der Yang-Typ hat eine rötliche Gesichtsfarbe, kommt leicht ins Schwitzen, leidet oft unter Bluthochdruck und/oder Verstopfung. Er tendiert eher zu Wurst- und Fleischgerichten.

Entsprechend dieser beiden Typen unterscheidet die TCM auch ein yinisierendes und ein yangisierendes Kochverfahren. Durch letzteres, nämlich Schmoren und Backen, können Sie auch kalte und kühle Lebensmittel etwas wärmer machen. Diese Art der Zubereitung empfiehlt sich vor allem im Winter.

Unter dem yinisierenden Kochverfahren versteht man Blanchieren oder Kochen mit viel Wasser, was Sie gut in den Sommermonaten anwenden können.

Generell sollten Sie auf sehr heißes Anbraten mit viel Öl verzichten, die Nahrung ist schwer verdaulich für beide Typen. Ähnlich verhält es sich bei Fertiggerichten aus der Tiefkühltruhe, welche auch nach der Zubereitung stark kühlend wirken. Der frierende Yin-Typ sollte generell Tiefkühlkost meiden. Ferner rät die TCM von der Essenszubereitung in der Mikrowelle ab, da diese laut der Lehre die natürlichen Eigenschaften der Lebensmittel zerstört.

Auf heiße Nahrungsmittel sollte verzichtet werden bei Migräne, Unruhe, Magenbeschwerden, Verstopfung und Autoimmunerkrankungen.

Kalte Nahrungsmittel sind nicht geeignet bei Durchfallneigung, Erkältung, Adipositas, Blähungen oder Depressionen.

Wie Sie die thermische Wirkung von Lebensmitteln beeinflussen können:

Lebensmittel heiß machen:

  • Mit feurigen Gewürzen würzen, in Alkohol einlegen
  • Braten, frittieren, grillen,

Lebensmittel erwärmen:

  • Kochen, dünsten, schmoren, garen, backen
  • Klein schneiden oder pürieren
  • Durch Einlegen oder Trocknen

Lebensmittel kühler machen:

  • In Wasser oder Sojasauce legen

Lebensmittel kalt machen:

  • Einfrieren, pökeln (in Salz legen)