Plötzlicher Pflegefall in der Familie
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Plötzlicher Pflegefall in der Familie – Was ist zu bedenken?

Kaum jemand setzt sich in jungen Jahren mit dem Thema Pflegebedürftigkeit auseinander, aber auch im fortgeschrittenen Alter wird man oft vom Akutfall überrascht. Bei chronischen, fortschreitenden Krankheiten setzt früher das Bewusstsein ein, dass sich die Lebensumstände eines Tages ändern werden. Ein Herzinfarkt, Schlaganfall oder schwerer Unfall hebelt den gewohnten Alltag jedoch von einem Tag auf den anderen aus den Angeln. Wir erklären Ihnen, was auf Sie zukommt und was alles zu tun ist.

Antrag auf Pflegegeld stellen

Wenn es sich beim Pflegebedürftigen um ein Familienmitglied handelt, haben Sie das Recht auf kurzfristige Freistellung an Ihrem Arbeitsplatz (bis zu zehn Tage), um das Notwendigste regeln zu können.

Die vorrangige Frage, die es nun zu beantworten gilt, ist: Wie hoch ist der aktuelle Pflegeaufwand, wird sich dieser noch erhöhen oder wieder vermindern?

Diese Frage sollten Sie am besten noch während des Krankenhausaufenthaltes mit dem behandelnden Personal, bzw. dem Kliniksozialdienst erläutern.

Wenn der Patient für mindestens 6 Monate beeinträchtigt ist, und die Voraussetzungen für eine Pflegestufe erfüllt, sollten Sie baldigst die Pflegegeldkasse informieren. Dies ist üblicherweise dieselbe Kasse, bei welcher der Patient krankenversichert ist. Hier reicht ein Telefonat oder ein formloses Schreiben, damit Ihnen ein Antrag auf Pflegegeld zugestellt wird. Nachdem Sie dieses ausgefüllt an die Pflegekasse retourniert haben, wird Ihnen, bzw. dem Pflegebedürftigen ein Gutachter einen Besuch abstatten. Anschließend erfolgt die Einstufung in eine Pflegestufe, so wird die Höhe der finanziellen Leistung festgelegt.

Welche Pflegeform wählen?

Hierbei handelt es sich definitiv um das emotionalste Thema bei der Pflegebedürftigkeit. Der Pflegebedürftige wird sich wahrscheinlich am liebsten wieder in seine gewohnten vier Wände zurückbegeben. Viele Menschen sehen es auch als eine Art moralische Verpflichtung an, den Angehörigen zu Hause zu pflegen. Doch bevor Sie dafür alles in die Wege leiten, bedenken Sie ein paar Punkte:

  • Wie sieht die Wohnung des Pflegedürftigen aus, kann sie bei Bedarf barrierefrei umgebaut werden, sind die sanitären Einrichtungen entsprechend, ist Platz für ein Pflegebett?
  • Wie weit entfernt wohnen Sie? Sind Sie bereit, bei dem Pflegebedürftigen einzuziehen?
  • Sind Sie körperlich in der Lage, den Pflegebedürftigen zu heben, zu stützen, in den Rollstuhl zu transferieren etc.?
  • Sind Sie psychisch den Anstrengungen täglicher Pflegeleistung gewachsen?
  • Gibt es einen Hausarzt, der auch Hausbesuche durchführt, einen ambulanten Therapiedienst, wie weit entfernt ist das nächste Krankenhaus?
  • Gibt es Entlastung durch einen ambulanten Pflegedienst?
  • Wer außer Ihnen wird noch in die Pflege miteinbezogen, wer kann Sie bei Urlaub, Krankheit etc. vertreten?

Selbstverständlich sollte der Pflegebedürftige, sofern es geistig möglich ist, in diese Diskussion von Anfang an einbezogen werden. Seien Sie sich jedoch der immensen Verantwortung und Belastung bewusst, wenn Sie sich für eine häusliche Pflege entscheiden. Scheuen Sie sich auch nicht davor, Ihre Bedenken zu äußern. Ebenso ist es Ihr gutes Recht, eine häusliche Pflege abzulehnen, wenn Sie sich nicht in der Lage dazu fühlen.

Vor allem Frauen fühlen sich moralisch verpflichtet, die Pflege von Familienangehörigen zu übernehmen, was aber neben Job und der eigenen Familie zu einer gefährlichen Überlastung führen kann, da sich das Risiko eines Burn-Out-Syndroms durch die Dreifachbelastung erhöht.

Wie findet man das passende Heim?

Wenn Sie sich für die Betreuung in einem Heim entschieden haben, gilt es nun natürlich, die passende Unterkunft zu finden. Verlassen Sie sich dabei nie nur auf Bewertungen in Broschüren oder dem Internet, sondern sehen Sie sich die Heime immer persönlich an. Überlegen Sie vorab, welche Punkte für den Pflegebedürftigen von Bedeutung sind:

  • Können eigene Möbel mitgebracht werden?
  • Wie groß sind die Zimmer und die Gemeinschaftsräume?
  • Welche therapeutischen Angebote, Beschäftigungsmöglichkeiten etc. gibt es?

Bei Ihrem Besuch vor Ort sollten Sie vor allem auf den Umgang zwischen Heimbewohnern und Personal achten, ebenso auf Sauberkeit und Gerüche in den Aufenthalts- und Wohnbereichen. Werfen Sie einen Blick auf den Speiseplan, sprechen Sie mit der Heimleitung, aber auch mit anderen Bewohnern. Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit des Probewohnens für Ihren Angehörigen!

Das Zentrum für Qualität in der Pflege ist hilfreich, um Pflegestützpunkte und Beratung zum Thema in Ihrer Nähe zu finden. Der Pflegestützpunkt kann Ihnen sagen, welche Heime es in der näheren Umgebung gibt, und wie es mit der Unterstützung durch die Pflegekasse aussieht.

Außerdem legen wir Ihnen noch ans Herz, dass Sie und Ihre Angehörigen folgende Vollmachten verfassen, bevor ein Ernstfall eintritt, dadurch werden viele Schritte wesentlich vereinfacht. Außerdem ist dadurch klar formuliert, was der Wunsch des Pflegebedürftigen ist, wenn er sich selbst nicht mehr dazu äußern kann. Die Vorlagen dazu finden Sie im Internet:

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