Mythos oder Wahrheit – Nach dem Essen nicht schwimmen gehen?

Mythos oder Wahrheit – Nach dem Essen nicht schwimmen gehen?

Rund um den Bauch drehen sich einige Volksweisheiten und Redensarten. Wir sollen auf unser Bauchgefühl hören, können Schmetterlinge drin haben und wenn der Bauch voll ist, studiert er nicht gern. Wie steht es nun um die oftmals zitierte Regel, dass man mit vollem Bauch auch nicht schwimmen darf? Zumindest eine Stunde Zeit soll zwischen der Mahlzeit und dem Schwimmen liegen, sagen Mutti und die Baderegeln. Sogar von Magenkrämpfen und dem Ertrinkungstod wird manchmal gewarnt. Stimmt das und wenn ja, warum?

Theorie nicht durch Studien belegt

Dass das Schwimmen sofort nach dem Essen Folgen irgendwelcher Natur für die Gesundheit haben soll, wurde durch kein Studienergebnis jemals bewiesen. Im Gegenteil, eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2011 besagt sogar, dass es dezidiert keinen Zusammenhang zwischen Essen vor dem Schwimmen und einem Ertrinkungstod gibt.

Was schon eher zutrifft, ist eine gewisse Unlust unsererseits, nach einem ausgiebigen Mahl überhaupt ins Wasser zu gehen. Das liegt daran, dass der Verdauungsprozess eine Menge Blut braucht, das von anderen Regionen des Körpers abgezogen wird. So begründet auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. auf seiner Homepage, warum Kinder nicht direkt nach dem Essen ins Wasser sollen. Die mangelnde Durchblutung des restlichen Körpers könnte zu Kreislaufproblemen führen, was besonders im Wasser rasch problematisch ist. Außerdem haben Kinder noch kein Gefahrenbewusstsein und zu wenig Erfahrungswerte, um zu wissen, dass sich Schwimmen direkt nach dem Essen eigentlich gar nicht toll anfühlt.

Übrigens sollten Sie auch nicht überhitzt ins kalte Wasser springen, da dies eine große Belastung für den Kreislauf darstellt. Vor dem Schwimmen hilft Duschen dem Körper, sich an die Wassertemperatur anzupassen.

Führt Schwimmen nach dem Essen zu Magenkrämpfen?

Diese Frage versuchte bereits 1961 ein amerikanischer Sportarzt zu klären, und kam zu dem Schluss, dass Essen, Schwimmen und Magenkrämpfe in keinem Zusammenhang stehen. Auch Hochleistungssportler nehmen durchaus eine deftige Mahlzeit zu sich, bevor sie ins Becken springen, an Magenkrämpfen hat deswegen aber keiner je gelitten.

Eine australische Studie berichtet von vermehrtem Auftreten von Seitenstechen durch Schwimmen, welches mit zunehmendem Alter abnimmt. Ob und in welchem Zusammenhang jedoch das Seitenstechen mit Essen und Schwimmen steht, wird nicht genauer erläutert.

Laut DLRG besteht das Problem darin, dass durch das Schwimmen Energie vom Verdauungstrakt weggeleitet wird, da Arme und Beine Muskelkraft benötigen. Die Nahrung wird nun nicht mehr weiter verdaut und es kann zu Übelkeit kommen. Derselbe Effekt tritt übrigens bei großem Stress und Angst auf.

Wie lange sollte man nach dem Essen pausieren?

Nachdem wir nun wissen, dass uns eine Portion Pommes zwar nicht ertrinken lässt, aber unser Körper trotzdem ganz gern eine Ruhepause nach dem Essen hat, stellt sich nun die Frage, wie lang diese sein soll. In veralteten Baderegeln war sogar einmal von zwei Stunden die Rede, während man heute oft 30 Minuten bis 1 Stunde empfiehlt. Die genaue Zeit kann Ihnen jedoch nur Ihr eigener Körper mitteilen, denn es hängt davon ab, was und wie viel Sie gegessen haben und wie lange Ihr Körper zur Verdauung braucht.

Wenn Sie unter Herz- und Kreislaufproblemen leiden, sollten Sie diese Regel allerdings wirklich beherzigen, denn die Kombination Verdauen und Schwimmen stellt eine zu große Belastung dar, die im schlimmsten Fall zu einem Kollaps führen kann.

Mit komplett leerem Magen Schwimmen ist übrigens genauso ungesund: Es kann passieren, dass Ihrem Körper der „Sprit“ ausgeht, was zu einer Unterzuckerung führt. Der Körper benutzt dann seine Vorräte und die Muskeln verbrennen Zucker anstatt Fett, weil dies schneller geht. Typische Symptome einer Unterzuckerung sind Schwindel, Schwäche, Schwarzwerden vor den Augen, Frieren und Zittern.