Ketogene Ernährung – Kurzfristig hilfreich, langfristig fraglich

Beim Thema „Ketogene Ernährung“ könnte man glatt meinen, dass es sich um eine Art Glaubenskrieg handelt. Für die einen ist sie der Schlüssel zu einer schlankeren Figur und einem gesünderen Lebensstil, für andere der schnellste Weg in eine schädigende Unterernährung. Aber was versteht man überhaupt unter einer ketogenen Ernährung?

Alles auf Fett

Bei der ketogenen Ernährung geht es zunächst einmal darum, die Zufuhr von Kohlenhydraten weitestgehend auf ein Minimum zu begrenzen und gleichzeitig die Aufnahme von Fetten auf ein Maximum zu erhöhen. Während die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) folgende Nährstoffverteilung empfiehlt:

  • 55 % Kohlenhydrate,
  • 30 % Fette,
  • 15 % Proteine,

ist sie bei einer ketogenen Ernährungsweise im Wesentlichen auf Extreme ausgerichtet:

  • 70-80 % Fette,
  • 15-20 % Proteine,
  • 5 % Kohlenhydrate.

Wechsel des Energielieferanten

Im Vordergrund einer ketogenen Ernährung steht die Umstellung des Energiestoffwechsels. Anstatt wie bisher Glukose (gewonnen aus Kohlenhydraten) als Energiequelle zu nutzen, wird auf Fette zurückgegriffen. Im Zuge einer sogenannten Ketose spaltet die Leber Fette in Ketonkörper, die fortan als Glukoseersatz und somit als Energiequelle für die Organe dienen.

Ketogene Ernährung in der Medizin

Neben einem bewussteren Lebensstil und einer schlankeren Figur steht bei der ketogenen Ernährung vor allem auch die Bekämpfung und Vermeidung von Krankheiten im Vordergrund. Ihren Ursprung hat die ketogene Ernährung in der bis heute angewandten Behandlung von Epilepsie bei Kindern. Aber auch in der Behandlung seltener angeborener Stoffwechselerkrankungen findet sie Anwendung.

Zwar wird die ketogene Ernährung auch bei anderen Erkrankungen (u.a. Diabetes, Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Akne oder Hirntraumata) eingesetzt, jedoch ist der Nutzen unter Experten stark umstritten, zumal keine fundierten Studienergebnisse existieren.

Wirkungsvoll gegen Krebs?

Insbesondere in der Krebsbehandlung werden hitzige Diskussionen darüber geführt, ob eine kohlenhydratarme Ernährung das Wachstum von Tumoren verlangsamt, gar hemmt. Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass Krebszellen mehr Zucker verbrauchen als gesunde Zellen. Kritiker warnen aber davor, Krebs mit einer ketogenen Ernährung zu begegnen, da Krebszellen sehr anpassungsfähig und nicht zwingend auf Zucker angewiesen sind.

Ketogene Ernährung im Alltag

Die ketogene Ernährung gelingt nicht mal eben so. Sie erfordert viel Disziplin und Wissen. Nicht jedes fett- und proteinreiche Produkt ist für eine ketogene Ernährung geeignet. Zum Beispiel ist Fett nicht gleich Fett. Unterschieden wird zwischen gesundem und ungesundem Fett (ungesättigte bzw. gesättigte Fettsäuren). So wird kalt gepresstes Olivenöl empfohlen und von Sonnenblumenöl abgeraten.

Auf einem schmalen Grat zwischen Vor- und Nachteilen

Wer in schnellster Zeit möglichst viel abnehmen will, greift häufig auf die ketogene Diät zurück, die auch als anabole Diät bekannt ist. Gerade Sportler und Bodybuilder nehmen sich dieser Methode an, um Muskeln aufzubauen und gleichzeitig Körperfett zu reduzieren. Die ketogene Diät kann nach einer harten Umstellungsphase dazu beitragen, dass sich das Hautbild und die Konzentration verbessern und die Ausdauerleistung steigt. Ebenso wirkt sie entzündungshemmend.

Diese Vorteile werden einer Diät, also einer zeitlich begrenzten Anwendungsdauer, zugeschrieben. Als Nachteile einer ketogenen Ernährung gelten jedoch z. B. durch Ketose ausgelöster Mundgeruch, ein Überstrapazieren der Leber, da eine fettreiche Ernährung Menschen mit Fettleber und Herzproblemen an ihre Grenzen bringt, sowie eine Übersäuerung des Körpers und eine Unterversorgung von wichtigen Nährstoffen. Zudem kann bei Frauen eine unregelmäßiger Menstruationszyklus auftreten. Eine ketogene Diät sollte daher unbedingt regelmäßig durch einen Arzt kontrolliert werden.

Alles hat seine Grenzen

Ob eine ketogene Ernährungsweise sich eher schädlich oder günstig auf den Körper auswirkt, darüber werden wohl auch weiterhin Diskussionen geführt werden. Unbestritten jedoch ist, dass man schnell Körperfett verlieren kann. Aber vermutlich liegt der wahre Weg, wie so oft, irgendwo in der Mitte. Zwar erscheint es sinnvoll, die Zufuhr von Zucker zu reduzieren, aber ob Fette in höchsten Mengen der richtige Ersatz dafür sind, kann durchaus angezweifelt werden. Zumal es laut DGE sowohl zu einer Über- als auch Unterversorgung von Nährstoffen kommt. Und hin und wieder zu sündigen, bringt manchmal mehr, als andauernd verzichten zu müssen. Der Geist isst schließlich auch mit und wird es danken.