Erste Hilfe bei giftigen Pflanzen

So schön sie auch aussehen mögen, so giftig können sie sein. Dabei besitzen sie so wohlklingende Namen wie Goldregen, Engelstrompete, Herbstzeitlose, Alpenveilchen oder Maiglöckchen. Und dennoch lösen manche dieser Pflanzen trotz ihrer einladenden Blütenpracht bereits bei der bloßen Berührung Hautirritationen aus. Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall drohen, wenn Pflanzenteile wie Blätter, Stängel, Beeren oder Früchte verschluckt werden. Vor allem Kinder sind gefährdet. Ihr Entdeckungsdrang ist schier unendlich und verleitet sie dazu, nach allen möglichen Dingen zu greifen und diese in den Mund zu stecken. Zwar sind Pflanzenvergiftungen selten schwer, allerdings sollten Sie beim geringsten Verdachtsfall handeln.

Unterschiedliche Gründe für eine Vergiftung: Unwissenheit, Verwechslungen und Falschdosierungen

Die Gründe für eine Vergiftung sind unterschiedlich. Bei Babys und Kleinkindern kann es etwa daran liegen, dass ihr Geschmackssinn noch nicht ausgeprägt ist und sie giftige Substanzen deshalb nicht ausspucken, wenngleich die meisten giftigen Pflanzen nicht schmecken. Bei Erwachsenen kann es hingegen zu Verwechslungen kommen. Im Frühjahr treten unter anderem einzelne Todesfälle auf, weil Sammler die Blätter der Herbstzeitlose für Bärlauch halten. Darüber hinaus kann es bei der Anwendung von Heilpflanzen zu falschen Dosierungen kommen.

Der Vergiftungsgrad ist individuell

Die Schwere einer Vergiftung ist sowohl abhängig von der Pflanze als auch von der jeweiligen Person.

Auf der einen Seite hängt die giftige Wirkung einer Pflanze auf den Menschen von dessen Gesundheitszustand, der körperlichen Konstitution sowie vom Alter ab, zum anderen fällt die giftige Wirkung einer Pflanze nicht selten sehr unterschiedlich aus. Folgende Umstände und Eigenschaften können je nach Pflanze die Giftigkeit beeinflussen:

  • Erbgut/Zuchtform der Pflanze, Standort, Jahreszeit, Klima, Wetter, Alter
  • nicht alle Pflanzenteile müssen giftig sein bzw. sie besitzen unterschiedliche Wirkstoffmengen
  • verzehrte Menge, zerkaut oder unzerkaut sowie nüchterner oder gefüllter Magen

Vielfältige Vergiftungssymptome abhängig von der Pflanzenart

Als typische Symptome einer pflanzlichen Vergiftung zählen Erbrechen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Darüber hinaus gibt es weitere Symptome:

  • Nervensystem: Schwindel und Benommenheit, Unruhe, Schläfrigkeit, Bewusstlosigkeit, Störungen im Bewegungsablauf, Taubheitsgefühle, Krämpfe, Verwirrtheit, Halluzinationen und Sehen von Farben, Atemlähmung
  • Mund, Schleimhäute und Lippen: Schmerzen, Schwellungen, verstärkter Speichelfluss, trockener Mund, verfärbte Lippen
  • Augen: Reizungen/Rötungen, verstärkter Tränenfluss, Schwellung der Lider, erweiterte Pupillen
  • Haut: Rötung, Juckreiz, Schmerzen, Schwellung, Schweißausbrüche

Was Sie bei Anzeichen einer Vergiftung tun sollten

Wie bei allen Erste-Hilfe-Maßnahmen ist es wichtig, die Übersicht zu behalten und nichts zu überstürzen beziehungsweise in Hektik zu verfallen. Panisches Handeln schadet mehr, als dass es hilft.

Das sollten Sie tun

Giftnotrufzentrale anrufen

Besteht der Verdacht einer Vergiftung, sollten Sie unverzüglich eine Giftinformationszentrale anrufen. Spezialisierte Ärzte beraten Sie dort rund um die Uhr. Folgende Angaben sind beim Giftnotruf sehr hilfreich:

  1. Name und Alter der betroffenen Person, bei Kindern zusätzlich Größe und Gewicht
  2. Zeitpunkt und Menge der Einnahme
  3. Mögliche Grund- oder Vorerkrankungen
  4. Beschreibung der Pflanze bzw. vorhandene Reste

Ausspucken oder Ausspülen des Mundes

Pflanzenteile, Beeren oder Samen aus dem Mund spucken oder mit Wasser, Tee oder ähnlichen Flüssigkeiten ausspülen.

Gründliches Spülen der Augen, Schleimhäute oder Haut

Falls Pflanzensaft ins Auge gespritzt ist, sollten Sie es sofort gründlich mit lauwarmem Wasser ausspülen. Das gilt auch bei Schleimhäuten und der Haut im Allgemeinen.

Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn die betroffenen Stellen auch eine Weile nach dem Spülen Reizungen aufweisen.

Trinken

Nehmen Sie großzügig Flüssigkeit zu sich, denn dadurch wird die Konzentration an Giftstoffen prozentual gesenkt. Als Getränke empfehlen sich Wasser, Tee oder verdünnte Säfte.

Aktivkohle

Aktivkohle (auch Medizinalkohle genannt) ist ein schnelles und effektives Mittel bei Tabletten- und Pflanzenvergiftungen, da es eine Vielzahl von Stoffen und Giften bindet. Die Dosis ist abhängig vom Körpergewicht und wird als Pulver oder Compretten verabreicht.

112 wählen

Treten schwerere Symptome wie Schläfrigkeit auf oder empfehlen Mitarbeiter der Giftnotrufzentrale den Rettungswagen, dann sollten Sie diesen auch umgehend rufen.

Pflanzenteile aufbewahren

Da trotz genauer Beschreibungen nicht immer klar ist, was genau eingenommen wurde, sollten Pflanzenteile aufgehoben werden, um eine genaue Behandlung einleiten zu können.

Dies sollten Sie nicht tun

In Panik ausbrechen

Sie sollten vorschnelle Maßnahmen unbedingt vermeiden und nur dann Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einer akuten Vergiftung einleiten, wenn der Notarzt nicht schnell genug bei Ihnen eintrifft und Sie durch die Rettungszentrale oder Experten der Giftnotrufzentrale dazu aufgefordert und angeleitet werden.

Auf keinen Fall Salzwasser oder Milch trinken

Eine konzentrierte Salzlösung kann zum Tod von Kleinkindern führen und bei Erwachsenen Erbrechen auslösen. Ohne ärztliche Aufsicht darf aber kein Erbrechen herbeigeführt werden.

Milch kann die Aufnahme von Giften beschleunigen beziehungsweise begünstigen.

Vorbeugende Maßnahmen für Eltern und Tierbesitzer

Als Eltern, aber auch als Tierhalter, sollten Sie darauf achten, ob Sie Giftpflanzen in der Wohnung oder im Garten haben (siehe hierzu auch „Gift im Garten – Riesenbärenklau„). Denn nicht nur für Kinder lauern potenzielle Gefahren, sondern auch für Haustiere. Der Verzehr bestimmter Pflanzenteile kann vor allem bei Tieren im Gegensatz zum Menschen schnell tödlich enden. Aber auch auf dem Weg zum Spielplatz oder auf der täglichen Gassi-Route lauern pflanzliche Gefahren. Etwas weiter unten finden Sie weiterführende Informationen, welche Pflanzen giftig sind und wie sie aussehen.

Weiterführende externe Links zu „Erste Hilfe bei giftigen Pflanzen“:

Informationszentrale gegen Vergiftungen, Zentrum für Kinderheilkunde, Universitätsklinikum Bonn – Giftnotruf mit Pflanzenübersicht

Botanikus – Informationen zu giftigen und ungiftigen Pflanzen, Beeren und Früchten

Kinder- & Jugendärzte im Netz – Vergiftungen