Im Flow sein

Bist du im Flow?

Als Kinder waren wir Spezialisten darin: Selbstvergessen in einer Tätigkeit aufzugehen, die uns Freude bereitet und Raum und Zeit unwichtig werden lässt. Als Erwachsener würden wir oft ziemlich viel dafür geben, noch einmal Tätigkeiten mit einer solchen Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit angehen zu können. Dafür gibt es sogar einen Namen: Flow. Als Kind kannten wir allerdings viele negative Gefühle noch nicht wirklich: Selbstzweifel, Erfolgsdruck, Kontrollverlust, Zeitdruck, Stress etc.

Der Name des Mannes, der den Begriff des Flow geprägt hat, ist allerdings weniger einfach, er lautet Mihály Csikszentmihályi. Bei ihm handelt es sich um einen in die USA ausgewanderten Psychologieprofessor, der als Sohn des ungarischen Konsuls in Rijeka (Kroatien) geboren ist, was damals allerdings zu Italien gehörte. Alle Klarheiten beseitigt? Nun, glücklicherweise ist das Flow-Prinzip einfacher zu erklären.

Was bedeutet Flow?

Der Begriff bedeutet, dass man sich völlig in einer Tätigkeit verliert. Unsere Gefühle, Wünsche, unser Handeln und Denken sind in dieser Zeit komplett aufeinander abgestimmt. Im „Flow“ kann man sich in vielen verschiedenen Bereichen des Lebens befinden, sei es nun in seinem Beruf, in seinem Hobby, in der Partnerschaft oder in einer Freundschaft. Man könnte es auch als eine Art „Schaffensrausch“ bezeichnen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an Walt Disney’s genialen Erfinder Daniel Düsentrieb, der sich während seiner Erfindungen definitiv auch immer im Flow befand…

Laut den Forschungen des Herrn Csikszentmihályi gibt es verschiedene Komponenten, die sich gegenseitig ergänzen, um ein Flow-Erlebnis zu erzeugen. Dazu gehören:

  • Die Tätigkeit/ das Gefühl ist eine Herausforderung für uns, der wir uns gewachsen fühlen
  • Der Alltag schafft es nicht, uns davon abzulenken
  • Wir wissen, wie wir erreichen, was wir wollen
  • Wenn etwas gut oder schlecht läuft, wissen oder erfahren wir es unmittelbar
  • Wir können die Tätigkeit/das Gefühl kontrollieren
  • Währenddessen existieren keine Sorgen
  • Wir glauben, dass die Zeit schneller vergeht

Wie erreiche ich den Flow-Zustand?

Wir wissen nun, dass es sich beim Flow um etwas durchaus Erstrebenswertes handelt. Aber wie schaffen wir es, in diesen Zustand zu gelangen, ohne die Erfindung einer Zeitmaschine, die uns noch einmal drei Jahre alt sein lässt? Befragen wir also wieder den Professor mit dem etwas komplizierten Namen, Herrn Csikszentmihályi:

Einleuchtend ist, dass uns die uns völlig erfüllende Tätigkeit auch Freude bereiten muss. Unser Beruf füllt uns zwar oftmals völlig aus, aber aus- und erfüllen ist nun einmal nicht dasselbe. Diese Tätigkeit muss uns so viel Freude bereiten, dass wir bereit sind, sie durchzuziehen, auch wenn es einmal nicht so gut läuft (z.B. im Sport).

Als nächstes gilt es, die negativen Gefühle, die uns als Kind noch nicht plagten, zu eliminieren. Dazu gehören unter anderem: Versagensängste, eigene körperliche Beeinträchtigungen, Fehler aus der Vergangenheit, grundsätzliche negative Einstellung, Mangel an Selbstvertrauen. Ist der Fokus auf das Negative gerichtet, wird die Kreativität blockiert. Erinnern Sie sich wieder, warum Sie sich für diese Sportart, dieses Hobby, diese Person entschieden haben und gehen Sie es locker an!

Leben im Hier und Jetzt

Um in einer Tätigkeit vollends aufgehen zu können, braucht es volle Konzentration. Verbessern Sie Ihre Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistung und lassen Sie sich nicht von Ihrem Tun ablenken. Schalten Sie das Handy auf lautlos und informieren Sie Ihre Familie, dass Sie eine Zeitlang nicht gestört werden wollen. Lernen Sie, Ihr Gedankenkarussell zu unterbrechen und alle Sorgen, Entscheidungen etc. auf später zu verschieben.

Ein von Herrn Csikszentmihályi immer wieder betonter Punkt ist das Leben im Jetzt. Damit ist gemeint, dass man während der Klettertour nicht an die fällige Steuererklärung denkt, während dem Surfen nicht an einen fälligen Tierarztbesuch mit dem Hund. Als Kind haben Sie auch nicht ständig an Ihre Hausaufgaben gedacht, wenn Sie im Baumhaus gespielt haben, oder? Die Tätigkeit, welche Sie in den Flow versetzen soll, bedarf Ihre komplette Aufmerksamkeit!

Die Tätigkeit, mit der Sie das Flow-Erlebnis erreichen, soll Sie fordern. Nicht unterfordern, das schafft Langeweile, nicht völlig überfordern, das sorgt für unnötigen Druck. Damit die Tätigkeit auf Dauer spannend bleibt, ist es wichtig, dass eine Weiterentwicklung stattfindet. Das ist auch von Bedeutung, wenn das Flow-Erlebnis durch Partnerschaft oder Freundschaft erreicht wird.