alkoholsucht

Alkohol – zwischen Genuss und Missbrauch

Alkohol ist allgegenwärtig. Bei Feierlichkeiten im Freundes- und Familienkreis oder zum obligatorischen Sektempfang. „Das Gläschen in Ehren“ täuscht darüber hinweg, dass Alkohol als gefährlichste Volksdroge gilt.

Warum trinken Menschen Alkohol?

Alkohol ist die älteste Droge der Welt. Eine wissenschaftliche Studie deutet darauf hin, dass Alkohol sogar ein Motor der Evolution gewesen sein könnte: Klimatische Veränderungen vor etwa 15 Millionen Jahren zwangen die Vorfahren der Menschen dazu, auf dem Boden zu leben. Damit veränderte sich zugleich das Nahrungsangebot. Obst wurde ein wichtiger Nahrungsbestandteil, insbesondere Fallobst, das ethanolhaltig ist. Ethanol ist die chemische Bezeichnung des Alkohols, den wir als Trinkalkohol kennen. Dieser Alkohol kann jedoch nicht von jedem Lebewesen verstoffwechselt werden. Eine genetische Mutation verlieh unseren Vorfahren die Fähigkeit, Alkohol abbauen zu können. Später wurden Wein und Bier wichtige Nahrungsbestandteile. Da Alkohol Keime abtötet, boten diese Getränke häufig die einzige Möglichkeit, Flüssigkeit ohne Krankheitserreger zu sich zu nehmen.

Wie wirkt Alkohol?

Alkohol wird zu einem geringeren Anteil von den Schleimhäuten des Magens, vorwiegend jedoch von den Schleimhäuten des Dünndarms aufgenommen. Vom Dünndarm aus gelangt der Alkohol in die Blutbahn. Ein Erwachsener baut pro Stunde etwa 0,1 bis 0,2 Promille an Alkohol wieder ab.

Alkohol ist ein Nerven- und Zellgift, das verschiedene Organe angreifen kann. Im Gehirn wirkt Alkohol auf den Botenstoffwechsel. Informationen werden demzufolge falsch oder verändert übertragen. Alkohol reduziert die Wahrnehmungsfähigkeit und beeinflusst sowohl das Verhalten als auch die Reaktionsfähigkeit. Die Leber erkennt Alkohol als giftige Substanz. Deshalb ist sie bemüht, den Alkohol so rasch wie möglich in harmlose Bestandteile zu zerlegen. Dieser Vorgang hat Priorität. Andere bedeutende Stoffwechselprozesse der Leber treten dabei in den Hintergrund.

Welche Alkoholismus-Typen gibt es?

Ärzte unterscheiden insgesamt fünf Alkoholiker-Typen:

  1. Alpha-Trinker
  2. Beta-Trinker
  3. Gamma-Alkoholiker
  4. Delta-Alkoholiker
  5. Epsilon-Alkoholiker

Der Alpha-Trinker ist ein Problemtrinker. Er greift zum Alkohol, um sich zu entspannen und den Ärger herunterzuspülen. Er ist ein sogenannter Konflikttrinker und gefährdet. Obwohl er eine seelische Abhängigkeit zeigt, wird er nicht den Alkoholikern zugerechnet.

Der Beta-Trinker ist ein Gelegenheitstrinker unter dem Einfluss seines Umfeldes. Er ist nicht abhängig, aber gefährdet.

Der Gamma-Alkoholiker ist suchtkrank. Er kann das Trinken nicht mehr steuern und hat die Kontrolle über den Alkoholkonsum verloren. Sein Körper verlangt nach Alkohol. Dennoch kann ein Gamma-Alkoholiker durchaus längere, manchmal sogar monatelang andauernde Alkoholpausen haben.

Der Delta-Alkoholiker ist der sogenannte Spiegeltrinker. Er muss seinen Blutalkoholspiegel konstant halten und erleidet schwere Entzugserscheinungen, wenn er nicht trinkt. Ein Delta-Alkoholiker ist schwer alkoholkrank und zeigt keinerlei Abstinenzfähigkeit mehr.

Der Epsilon-Alkoholiker wird umgangssprachlich auch Quartalsäufer genannt. Er neigt zu schweren Exzessen und ist dann über Tage betrunken. In den Phasen dazwischen trinkt er oft über Wochen nichts und hat auch nicht das Bedürfnis danach. Auch er ist alkoholkrank.

Was ist Co-Abhängigkeit?

Familienangehörige, Freunde und Kollegen eines Alkoholkranken können in eine sogenannte Co-Abhängigkeit geraten. Sie finanzieren die Sucht mit, melden den Alkoholiker beim Arbeitgeber krank, erledigen die Arbeit des alkoholkranken Kollegen mit usw. Dieses Verhalten bezeichnet man als Co-Abhängigkeit. Dem Suchtkranken wird dadurch letztlich allerdings nicht geholfen, sondern lediglich sein Leiden und die Krankheitsdauer verlängert. Der Co-Abhängige seinerseits gerät zunehmend unter Druck, wird aggressiv und ist irgendwann völlig hilflos. Auch er leidet schließlich an psychischen und körperlichen Folgen der Sucht.

Darf ein trockener Alkoholiker nie wieder Alkohol konsumieren?

Alkoholismus ist eine lebenslange Diagnose. Das bedeutet, der trockene Alkoholiker muss sein Leben lang abstinent bleiben. Die Beobachtungen zeigen, dass jeder erneute Konsum zu einem Rückfall führt. Die Ursachen könnten im Gehirn liegen, das auf den Reiz des Alkohols besonders stark reagiert. Die Prozesse geraten erneut in Gang und der Alkoholiker wird rückfällig.