Zu viel Protein schadet den Nieren – Stimmt das wirklich?

Ein Blick in die Supermarktregale genügt: Es gibt nahezu keine essbare Produktkategorie, in der nicht mit einer zusätzlichen Menge Protein geworben wird. Ob in Brot, Joghurt, Aufstrich oder besonders sättigenden Schokoriegeln – Protein ist schon lange kein Thema mehr, das sich allein auf Fitnessstudios beschränkt. Eine bewusste Ernährung gilt als hip, soziale Medien quellen regelrecht davon über. Viele versprechen sich durch Eiweiß, wie Protein umgangssprachlich heißt, ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl, eine schnelle Fettverbrennung sowie einen rasanten Muskelaufbau. Doch ist eine proteinreiche Ernährung wirklich unbedenklich oder werden mögliche Folgegefahren, gerade was die Nieren betrifft, bewusst verschwiegen?

Was ist Protein und wie wirkt es?

Proteine sind die Bausteine des Lebens – ohne sie geht im Körper gar nichts. Zellen und Gewebe (Muskeln, Organe wie Herz und Hirn, Blut), aber auch Antikörper sowie zahlreiche Enzyme und Hormone (darunter Insulin) basieren auf ihnen.

Aus chemischer Sicht bestehen Proteine aus Aminosäuren. Zwar existieren mehrere hundert Aminosäuren, doch für den menschlichen Körper besitzen lediglich 20 Aminosäuren Relevanz. Von diesen 20 Aminosäuren gelten zehn als essenziell, was bedeutet, dass der Körper sie entweder gar nicht (acht Aminosäuren) oder nur in sehr geringen Mengen (zwei Aminosäuren) selbst herstellen kann. Sie müssen mit der Nahrung aufgenommen werden.

Bei der Nahrungsaufnahme kann zwischen tierischem und pflanzlichem Protein unterschieden werden. Im Gegensatz zu pflanzlichem Protein wirkt tierisches Protein meist effizienter beim Aufbau körpereigener Proteine. Allerdings gelten Nahrungsmittel pflanzlichen Ursprungs als gesünder, da die weiteren Nährstoffe in tierischen Produkten, etwa Fette, einen tendenziell schädigenden Einfluss auf den Körper haben.

Sonnenbrand durch die Autoscheibe, einen Schnaps nach der Verdauung, bei heißen Temperaturen keine kalten Getränke trinken – bis heute gibt es eine Vielzahl an medizinischen Behauptungen. Aber stimmen diese wirklich? Wir gehen den Gesundheitsmythen auf den Grund und klären, ob sie erfunden sind oder tatsächlich stimmen.

Welche Gefahren können von Protein ausgehen?

Eine Proteinunterernährung wiegt bei gesunden Menschen verglichen mit einer erhöhten Proteinzufuhr schwerer. Insbesondere bei Heranwachsenden, denn Protein ist mitverantwortlich für das Wachstum und die körperliche Entwicklung. Eine Proteinunterernährung kann im ersten Schritt zu körperlicher, in weiteren Schritten zu geistiger Unterentwicklung führen. Deshalb wird Heranwachsenden vor allem im Hinblick auf den vermehrten Bedarf eine Tagesmenge von 0,9 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen, Erwachsenen eine Tagesmenge von 0,8 Gramm.

In der Regel gilt eine proteinreiche Ernährung für Menschen als unbedenklich. Dennoch kann sie Folgen haben. Wird nämlich mehr Protein aufgenommen als benötigt, kann der Überschuss als Körperfett eingelagert werden und zu einer ungewünschten Gewichtszunahme führen. Dies gilt jedoch auch für Kohlenhydrate. In diesem Zusammenhang können Übergewichtige wiederum schlechter auf Insulin reagieren und werden anfälliger für eine Diabeteserkrankung.

Übergewichtige wiederum neigen neben Personen mit einem stärkeren Alkoholkonsum zu einer schwachen Leber. Eine schwache Leber kann ihre Aufgaben nur noch eingeschränkt erfüllen, sodass sie zum Beispiel nicht mehr in der Lage ist, Ammoniak ausreichend abzubauen. Ein langfristiger Ammoniak-Überschuss trägt u. a. zu Gedächtnisverlust, Verwirrung und Vergesslichkeit bei.

Ammoniak wird in der Leber zu Harnstoff umgewandelt und über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Wenn die Nieren jedoch den zusätzlichen Harnstoff nicht verarbeiten können, können sie Schaden nehmen.

Bislang konnten Studien nicht belegen, dass bei gesunden Personen eine erhöhte Proteinzufuhr zu Nierenschäden führt. Allerdings betonen sie gleichzeitig auch, dass eine Nierenschädigung bei einer dauerhaften Proteinzufuhr von zwei oder mehr Gramm pro Kilogramm Körpergewicht ausgeschlossen werden kann.

Wie sollte man generell mit Protein umgehen?

Da Proteine neben Kohlenhydraten und Fetten eine der drei Hauptnahrungsgruppen darstellen, sollte auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden. Dem Überkonsum einer dieser Nahrungsgruppen sollte nicht mit einer Reduzierung an anderer Stelle begegnet werden. So sollte man nicht mit Kohlenhydraten sparen und diese durch Proteine oder gar Fette ersetzen.

Auch wenn eine proteinreiche Ernährung bei gesunden Menschen keine Schäden anrichtet, sollte man trotzdem darauf schauen, wie man seinen Proteinbedarf deckt. Der zuckerhaltige Schokoriegel sollte eher die Ausnahme sein.