Medikationsfehler vermeiden

Wie lassen sich Medikationsfehler vermeiden?

Derzeit befinden sich in Deutschland rund 47.000 verschreibungspflichtige Medikamente und rund 20.000 apothekenpflichtige Medikamente auf dem Markt. Das Angebot ist sehr reichhaltig, und somit ist es auch nicht verwunderlich, dass Medikationsfehler passieren.

In Deutschland werden ca. 0,6 % aller internistischen Notaufnahmen durch Fehler bei der Medikamenteneinnahme begründet. Wir versuchen heute, die Frage zu beantworten, wie es dazu kommen kann, und wie man diese Fehler vermeiden kann.

Was fällt unter Medikationsfehler und wie entstehen diese?

Grundsätzlich können Fehler bei der Medikation jeder Person unterlaufen, die an der Medikamentenausgabe beteiligt ist. Das beginnt beim verschreibenden Arzt, über den ausgebenden Apotheker, bis hin zum verabreichenden Pflegepersonal oder den Angehörigen, oder aber dem einnehmenden/verabreichenden Patienten selbst.

Unter Medikationsfehler fällt nicht nur die nicht korrekte Einnahme bzw. Verabreichung, sondern auch die Verschreibung einer falschen Dosierung, bzw. einem ungeeigneten Medikament durch den Arzt. Bei der Medikamentenausgabe im Krankenhaus kann es zu Verwechslungen von Patienten bzw. Medikamenten kommen, oder Medikamente zu einem falschen Zeitpunkt verabreicht werden. Auch unleserliche, handschriftliche Aufzeichnungen in der Patientenkurve können die Ursache eines Medikationsfehlers sein, dies tritt allerdings bei der zunehmenden Digitalisierung aller Patientenunterlagen zunehmend in den Hintergrund. Ein weiteres Problem bei der korrekten Medikation ist oftmals ein Mangel an Kommunikation, wenn ein älterer Patient mit verschiedenen Vorerkrankungen und diverser Medikation im Krankenhaus aufgenommen wird. Selten wird die eingenommene Medikation vom Patienten korrekt erinnert und wiedergegeben, nun liegt es am Krankenhaus, jene in Zusammenarbeit mit Hausarzt, Angehörigen oder Pflegeheim vollständig und richtig zu eruieren.

Vermeidung von Medikationsfehlern

Für Medikationsfehler, die Ärzte, Pflegepersonal, Apotheker etc. betreffen, wurde 2016 ein neuer Aktionsplan mit 42 Gegenmaßnahmen herausgegeben.

Natürlich gibt es aber auch viele Punkte, die Sie als betroffener Patient, bzw. als Verabreichender von Medikation an Ihre Angehörigen beachten sollen.

In erster Linie sollten Sie den Beipackzettel lesen. Haben Sie Ihrem Arzt alle Vorerkrankungen mitgeteilt, spricht etwas im Beipackzettel gegen die Einnahme des Medikamentes in Ihrem Fall? Dann sollten Sie unbedingt noch einmal Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten.

Ansonsten sollten Sie sich an die Angaben des Arztes bzw. Apothekers halten, was die Art der Einnahme und den Einnahmezeitpunkt betrifft. Bei vielen Medikamenten ist es durchaus relevant, ob sie vor, nach oder zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Wenn Sie eine Einnahme vergessen haben, bitte nicht zum nächsten Einnahmezeitpunkt die doppelte Dosis schlucken.

Spülen Sie Ihre Medikation mit reichlich Leitungswasser hinunter, dann kann auch nichts im Rachen steckenbleiben, am besten sitzend oder stehend. Kaffee, Tee, Milch, kohlensäurehaltige Getränke oder Grapefruitsaft sind in den meisten Fällen nicht geeignet für die Medikamenteneinnahme, Alkohol schon gar nicht.

Halten Sie auch Rücksprache mit dem Arzt oder einem Apotheker, bevor Sie Ihre Tabletten zerkleinern!

Halten Sie Ihre Hausapotheke immer aktuell, und sortieren Sie regelmäßig abgelaufene Medikamente aus, damit keine Gefahr der Weiterverwendung besteht. Einen Leitfaden für das richtige Entsorgen von Medikamenten finden Sie übrigens ebenfalls bei uns.

Bevor Sie einen geplanten stationären Krankenhausaufenthalt, eine Kur oder eine Reha antreten, listen Sie genau alle eingenommenen Medikamente in der korrekten Dosierung und dem Einnahmezeitpunkt auf, auch nicht verschreibungspflichtige, selbst gekaufte Medikamente.

Medikationsfehler bei Senioren:

Hier passieren häufig Einnahmefehler durch Sehschwäche, Schwerhörigkeit oder Nachlassen des Gedächtnisses. Oft werden Einnahmezeitpunkte vergessen und durcheinandergebracht. Eine Möglichkeit der Abhilfe ist eine Pillendose mit Timer, welche jeden Tag mittels individuell einstellbarem Wecker ein akustisches Signal zu den Einnahmezeitpunkten abgibt. Denken Sie als Angehöriger jedoch daran, dass Senioren wahrscheinlich Hilfe beim Programmieren der Einnahmezeit benötigen. Außerdem achten Sie darauf, dass die Medikamente korrekt eingeschachtelt werden.

Oftmals nehmen Senioren ein Medikament nur so lange ein, bis es ihnen besser geht, und setzen es anschließend auf eigene Faust ab. Dies ist vor allem bei Antibiotikatherapien überhaupt nicht empfehlenswert, da die Erkrankung in schwererer Form zurückkommen kann. Besprechen Sie mit dem Senioren nichts ohne Absprache mit dem Arzt an der bestehenden Medikation zu verändern.