Misophonie

Was ist Misophonie? – Auslöser und Behandlung

Die Misophonie ist die Unfähigkeit, normale Alltagsgeräusche zu ertragen. Für die Betroffenen bedeutet das eine große Qual. Aber was sind die Ursachen und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Was verbirgt sich hinter der Misophonie?

Es sind völlig normale Geräusche, die den Patienten mit Misophonie hochgradig belasten. Laute Essgeräusche anderer Menschen gehören besonders dazu, aber auch das Klicken mit dem Kugelschreiber steht weit oben auf der Liste der unerträglichen Geräusche, die Hass und Wut auslösen. Um eine Phobie handelt es sich folglich nicht, denn von Angst ist bei den Betroffenen nichts zu spüren. Auch finden Psychologen keinen erkennbaren Auslöser, wie ein traumatisches Erlebnis. Um eine Zwangsstörung im eigentlichen Sinn handelt es sich ebenfalls nicht. Allerdings kann der starke Stress, der durch das Geräusch ausgelöst wird, auf Dauer dazu führen, dass die Betroffenen echte Störungen entwickeln. Die Empfindlichkeit der Menschen mit Misophonie kann sich auf ein einziges Geräusch oder auch auf mehrere beziehen.

Die Auslöser der Misophonie

Experten gehen derzeit davon aus, dass es sich nicht um eine psychische Störung handelt, sondern vermutlich um eine besondere Empfindlichkeit, die organische Ursachen haben könnte. Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen mit Misophonie auf die Konfrontation mit den verhassten Geräuschen auch körperlich reagieren.

Mittels Kernspintomographie lassen sich die Reaktionen sogar sichtbar machen. Das bedeutet, dass man den Betroffenen eine erhöhte Sinneswahrnehmung unterstellen darf. Diese Erkenntnis wird auch dadurch untermauert, dass das Phänomen häufig schon im Kindesalter auftritt. Es gibt aber auch Fälle, bei denen die Betroffenen die Auffälligkeit erst im späteren Lebensalter entwickelt haben. Wer auf ein einzelnes bestimmtes Geräusch reagiert, ist außerdem besonders gefährdet, weitere Empfindlichkeiten zu entwickeln.

Die Behandlung von Misophonie

Eine direkte Behandlung der Misonophonie ist nicht möglich, da es sich nicht um eine Störung im eigentlichen Sinn handelt. Wer auf Alltagsgeräusche empfindlich reagiert, kann aber lernen, das Geräusch auszuhalten. Wenn Sie selbst betroffen sind, sprechen Sie mit Ihrem Umfeld darüber. Sollten Sie nervös werden, sobald jemand mit dem Kugelschreiber klickt, bitten Sie die Person freundlich, das zu unterlassen. Gerade das ständige Klicken mit dem Kugelschreiber ist bekannt dafür, dass es auch andere stört, die nicht einmal von Misophonie betroffen sein müssen. Vor allem in Ihrem persönlichen Umfeld sollten Sie offen aussprechen, was Ihnen zu schaffen macht, damit Sie mit den Menschen, die Ihnen wichtig sind, überhaupt Zeit verbringen können.

Geeignete Selbsthilfe bei Misophonie

Reagieren Sie unterwegs empfindlich auf Geräusche, setzen Sie sich einen Kopfhörer auf und hören Sie leise Musik. Bei Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln haben sich auch Hörbücher bewährt.

Betroffene berichten außerdem, dass der Verzicht auf Genussmittel hilft, aber auch die Anwendung von erlernten Entspannungsübungen. Sich aktiv mit der Misophonie zu befassen ist wichtig, denn die Probleme können sich verstärken, wenn Sie nur versuchen, die Belastung auszuhalten. In extremen Fällen führt das dazu, dass die Betroffenen Kontakte abbrechen und schlimmstenfalls das Haus nicht mehr verlassen.

Wenn Sie selbst betroffen sind, sprechen Sie mit einem Arzt, der Ihr Problem ernst nimmt. Sie können außerdem psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Psychotherapeuten können Sie dabei fachlich unterstützen, geeignete Strategien zu entwickeln, die verhassten Geräusche auszuhalten.

Die Forschung befasst sich mit Misophonie

Machen Sie sich bewusst, dass Sie mit der Misophonie nicht allein sind. Das hilft Ihnen, Ihr Problem zu akzeptieren und hält Sie davon ab, sich zu rechtfertigen oder sogar schuldig zu fühlen.

Im Mai 2018 hat in Berlin der Kompetenztag „Misophonische Trigger“ stattgefunden, bei dem Erfahrungen ausgetauscht wurden. Auch der Misophonie-Forscher Thomas H. Dozier trägt dazu bei, dass neue Lösungen für Betroffene entwickelt werden. Forschungsansätze bietet außerdem die Universitätsklinik Amsterdam. Einer der Behandlungsansätze ist ein Computerprogramm, mit dem die auslösenden Geräusche so  verändert werden, dass sie keinen Stress mehr auslösen. Erste Erfolge liefern den Wissenschaftlern die nötigen Hinweise, dass sie auf dem richtigen Weg sind.