Tinnitus: Der Lärm eines Phantoms

Der Tinnitus kennt viele Wege, sich wortwörtlich Gehör zu verschaffen: Ein lauter Knall, ein grippaler Infekt, eine ausgelassene Partynacht, ein Hörsturz oder ein Tauchunfall im Urlaub. Brummen, Pfeifen oder Zischen können die Folgen sein. Bei der einen Person treten die Geräusche laut und schrill auf, bei der anderen dumpf und flüsternd. Das Ohrensausen, wie der Tinnitus auch heißt, kann jeden treffen und ist entgegen dem weit verbreiteten Glauben kein altersbedingtes Problem. In Deutschland leiden bis zu drei Millionen Menschen an chronischem Tinnitus.

Die Entstehung eines Tinnitus kennt viele Wege

Der gewöhnliche Alltag kann einen Tinnitus aurium (lat. für „Klingeln der Ohren“), wie es medizinisch korrekt heißt, erheblich begünstigen. Vor allem jüngere Menschen unter 40 sind in den letzten Jahren vermehrt betroffen. Der Stress in Ausbildung und Berufsleben nimmt zu, Erwartungen wachsen und Pausen werden kürzer oder mit dem Smartphone komplett ausgefüllt. Und nach Feierabend ebbt die Anspannung selten ab: Die Arbeit geistert im Kopf, der nächste Tag muss organisiert, Einkäufe erledigt werden. Und Familie und Freunde wollen auch nicht zu kurz kommen. Die Liste ist lang und wächst beständig. Sehr zum Leidwesen des Körpers, denn diese Daueranspannung kann krankmachen. So kann der Tinnitus entweder auf direktem Wege entstehen oder indirekt über Krankheiten wie einen stressbedingten Hörsturz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, muskuläre Verspannungen oder durch die Einnahme von Medikamenten. Bleibt der Tinnitus unbehandelt oder ändert man die die Lebensumstände nicht, drohen langfristig Schlafstörungen, Angstzustände, Depressionen oder die Arbeitsunfähigkeit.

Ein Tinnitus hat viele Ausprägungen

Zunächst einmal ist ein Tinnitus keine Krankheit, sondern ein Symptom. Es treten Ohrgeräusche auf, die nicht lokalisiert werden können. Daher ist auch von Phantomgeräuschen die Rede. In der Medizin gibt es zahlreiche Ansätze, um einen Tinnitus zu kategorisieren. Zu den bekannteren Kategorisierungen zählen die Unterscheidungen nach:

  • Objektiv oder subjektiv
  • Primär oder sekundär
  • Akut oder chronisch

Die auftretenden Geräusche eines objektiven Tinnitus kann ein Arzt zum Beispiel durch Abhören mit einem Stethoskop oder durch die Messung von Nervensignalen nachweisen. Einen subjektiven Tinnitus wiederum nimmt nur der Betroffene wahr.

Löst etwa eine Krankheit, wie eine Entzündung des Mittelohrs oder Innenohrs, die Ohrgeräusche aus, ist die Ursache klar und man spricht von einem sekundären Tinnitus. Wenn jedoch die Ursachen unklar sind, liegt ein primärer Tinnitus vor.

Und auch die Dauer ist von Relevanz. Hält ein Tinnitus weniger als drei Monate an, ist dieser akut. Leidet der Patient länger als drei Monate unter den Ohrgeräuschen, besitzt der Tinnitus eine chronische Ausprägung.

Ein Tinnitus ist vielfältig – so auch die Behandlung

Nicht jedes Pfeifen, Brummen oder Zischen muss ein Tinnitus sein. Es könnte sich auch um eine vorübergehende Reizung handeln, weil das Ohr zum Beispiel zu starken Einflüssen ausgesetzt ist (siehe hierzu auch „Ohrenschmerzen“). Halten die Symptome jedoch länger als zwei Tage an und tritt keine spürbare Besserung ein, sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden. Dieser kann mögliche Ursachen diagnostizieren und gegebenenfalls rechtzeitig therapeutische Maßnahmen einleiten, damit sich aus einer Reizung kein akuter Tinnitus oder aus einem akuten Tinnitus kein chronischer entwickelt. Je nach Ausprägung kann ein Tinnitus unter anderem mit folgenden Therapien behandelt werden:

  • Entzündungshemmende oder durchblutungsfördernde Infusionen
  • Kortison
  • Physikalisch-medizinische Sitzungen oder Krankengymnastik (bei Verletzungen, Fehlstellungen oder Verspannungen)
  • Kieferorthopädische Behandlungen (Korrektur des Gebisses oder Kiefergelenksbeschwerden)
  • Entspannungstechniken wie Yoga oder Autogenes Training
  • Technische Geräte zur Sensibilisierung und Lärmreduzierung

Erholsame Pausen und ein gesünderer Alltag gegen den Tinnitus

Die Ursachen für einen Tinnitus sind vielfältig und die Folgen mitunter schwerwiegend. Ein paar grundlegende Veränderungen können gerade bei stressbedingtem Tinnitus für Linderung sorgen oder einen Tinnitus gar verhindern. Erholsamere Pausen, regelmäßige Sporteinheiten oder eine gesündere Ernährung tragen zur Stressreduzierung sowie zur Regeneration bei. Oder auch ausgedehnte Spaziergänge in der Natur mit interessanten Gesprächen oder ein entspannter TV-Abend auf der Couch. All das können erste und gleichzeitig wichtige Schritte sein, damit Phantomgeräusche erst gar nicht auftreten und das Ohrensausen nicht zu einer regelrecht lärmenden Phantomkapelle anwächst (siehe hierzu auch „Lärm macht krank“).

Weiterführende externe Links zu „Tinnitus“: