Senf als Heilpflanze – Mit ungeahnten Kräften stark

Wie der Geruch von Frittenfett ist Senf aus deutschen Imbissbuden nicht mehr wegzudenken. Dabei ist er viel mehr als der ewige Begleiter von Bratwurst und Buletten. Die Geschichte seiner heilenden und vorbeugenden Wirkung reicht rund 3.000 Jahre zurück. Von China fand das scharfe Gewürz über das antike Griechenland seinen Weg nach Europa, wo es schnell zu einem bewährten Mittel gegen Schmerzen und anderen Beschwerden aufstieg.

Nicht nur die Senfkörner sind lecker

Allein schon optisch ist die Senfpflanze (aus der Familie der Kreuzblütler) ein echter Hingucker. Das Gewächs mit den gelben Blüten lässt sich problemlos kultivieren – ob im Garten, im Topf oder wie Kresse zur Sprossenanzucht. Lediglich eine kleine Sache ist zu berücksichtigen: Im Garten darf sie nicht neben anderen Kreuzblütlern gepflanzt bzw. die Senfsamen nicht gesät werden, da Kreuzblütler in der Regel den Böden viele Nährstoffe entziehen und es zu einer Unterversorgung kommen kann.

Neben den Senfkörnern, aus denen Speisesenf hergestellt wird, sind auch Senfblätter und Senfsprossen verzehrbar. Beispielsweise können Senfblätter zu einem kräftig schmeckenden Salat angerichtet oder Quark mit Senfsprossen verfeinert werden.

Dunkel gleich scharf und scharf gleich gut

Der Fokus bei der Senfpflanze liegt klar bei ihren Körnern. Diese können schwarz, weiß/gelb und braun sein und sind sehr vitaminreich. Es gilt: Je dunkler, desto schärfer und je schärfer, desto wirkungsvoller. Allerdings sind sie zunächst einmal nicht scharf. Erst durch das Mahlen oder Schroten und den Kontakt mit Flüssigkeit wird die Schärfe nach und nach aktiviert.

Die dabei freigesetzten Senföle gelten als pflanzliche Antibiotika und sind im Gegensatz zu herkömmlichen Antibiotika meist magen- und darmschonend. Dennoch sollten sie nicht als Ersatz von medizinischen Antibiotika dienen.

Senf zur inneren und äußeren Anwendung

Der therapeutische beziehungsweise präventive Nutzen von Senf erfolgt entweder durch äußere oder innere Anwendung. Die äußere Anwendung vollzieht sich zum Beispiel durch Wickel, Bäder, Pflaster oder Salben, die innere durch die Einnahme von Präparaten. Aber auch der Konsum von herkömmlichem Speisesenf ist nicht zu verachten.

Das Anwendungsgebiet von Senf ist groß und kann wie folgt zusammengefasst werden:

  • antibakteriell und antiviral
  • durchblutungsfördernd (ähnlich wie Chili)
  • entzündungs- und schmerzhemmend
  • wundheilungsfördernd

Zudem weisen zahlreiche Studien auf eine Wirksamkeit bei der Krebsvorsorge hin. Gerade im Magen-Darm-Trakt kann Senf vorbeugend wirken und etwa gegen Blasen- oder Darmkrebs schützen. Darüber hinaus kann es den Cholesterinspiegel signifikant senken, Erkältungen und Grippen vorbeugen und Fieber senken beziehungsweise Bronchitis lindern.

Senf regt den Appetit an

Falls mal wieder alles zu viel werden und der Hunger ausbleiben sollte, kann Senf das ändern. Senföle sind appetitfördernd und können zudem auch bei Verdauungsstörungen lindernd wirken, denn sie regen die Produktion von Speichel sowie Magen- und Gallensäften an.

Ein paar Vorsichtsmaßnahmen sind zu berücksichtigen

Ohne Vorsicht geht es nicht. Da Senf ähnlich hitzeerzeugend wirkt wie Chili, kann es z. B. bei der äußerlichen Anwendung vor allem an empfindlichen Körperstellen und Schleimhäuten zu Reizungen, Rötungen und auch Verbrennungen, eventuell sogar zu Nervenschäden kommen. Deshalb sollte man darauf achten, dass die Anwendungsdauer nie zwei Wochen übersteigt.

Doch nicht nur der direkte Hautkontakt kann zu Unannehmlichkeiten führen. Bei der Anwendung von Senfbädern entstehen Dämpfe, die Augen und Bronchien reizen können.

Einer erhöhten Gefahr sind Kinder unter sechs Jahren, Nierenkranke und Personen mit Krampfadern ausgesetzt. Diese sollten sich im Regelfall keiner Senf-Behandlung unterziehen, zumindest nicht, ohne einmal Rücksprache mit einem Arzt oder Heilpraktiker gehalten zu haben.

Die Extraportion Gesundheit

Zwar ist die Schärfe nicht jedermanns Geschmack, und Senf passt auch nicht zu allen Gerichten, jedoch kann der künftige Verzehr der Heilpflanze mit anderen Augen gesehen werden. Im Gegensatz zu stark zuckerhaltigen Alternativen wie Ketchup wirkt Senf heilend und vorbeugend, sofern dieser nicht ebenfalls mit Zucker versetzt ist. Ansonsten kann man sich bei der nächsten Bratwurst schon einmal eine Extraportion Senf gönnen.