Schnuller Umstrittener Einsatz

Schnuller – So schädlich wie Zahnärzte sagen?

Vor 68 Jahren wurde der Schnuller „erfunden“ – man möchte es kaum glauben, von einem Zahnarzt und einem Kieferorthopäden. Die Erfindung, nach der Säuglinge und Eltern gleichermaßen süchtig wurden, nannte man damals „natürlicher und kiefergerechter Beruhigungssauger und Kieferformer“. Warum ist der Einsatz des schalldämmenden Gummistöpsels dann derart umstritten, dass junge Eltern oftmals nicht wissen, ob sie sich komplett gegen einen Schnuller für ihr Baby entscheiden sollen? Wir haben uns auf beidseitige Spurensuche begeben….

Gründe, die für den Schnuller sprechen

Säuglinge haben ein grundlegendes Saugbedürfnis, auch abseits von der Nahrungsaufnahme (die Bezeichnung „Säugling“ kommt nicht von ungefähr). Auch im Mutterleib lutscht der rundum versorgte Fötus an seinem Daumen. Später wird zum Nuckeln alles Greifbare verwendet: Schmusetücher, Kuscheltiere, Mamas Finger…

Das Nuckeln und Saugen hilft gegen Schmerzen, dient der Spannungsreduktion und als Einschlafhilfe und soll sogar das Verdauungssystem aktivieren. Und man kann ja nicht den ganzen Tag über das Baby an der Brust saugen lassen, um dieses Bedürfnis zu befriedigen – oder?

Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung legen dar, dass ein Schnuller als Einschlafhilfe das Risiko für einen plötzlichen Kindstod senkt. Trotzdem sollen Sie Ihrem Baby diese Einschlafhilfe nicht „aufzwingen“, wenn es den Schnuller nicht braucht – und stecken Sie ihn auch nicht in Babys Mund zurück, wenn er herausgefallen ist.

Für Frühgeborene gilt der Schnuller als therapeutische Maßnahme mit positivem Effekt.

Das sollten Sie beim Schnullergebrauch beachten

Versuchen Sie, das unruhige Baby zuerst anderweitig zufriedenzustellen. Wenn es satt und sauber ist, helfen vielleicht Zuwendung, Körperkontakt oder Herumtragen.

Setzen Sie den Schnuller immer nur so wenig wie nötig, und so viel wie erforderlich ein.

Tauchen Sie den Schnuller nicht in süße Flüssigkeiten zur Beruhigung, sonst treten Kariesprobleme auf, sobald Zähne vorhanden sind. Ebenfalls sollten Sie davon absehen, den Schnuller selbst im Mund zu reinigen und dann an den Säugling weitergeben, denn Sie geben ihm mit Ihrem Speichel auch Kariesbakterien weiter.

Achten Sie auf Hygiene, und desinfizieren Sie den Schnuller täglich.

Der Schnullergebrauch sollte maximal bis zum 3. Lebensjahr stattfinden.

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Gründe, die gegen den Schnuller sprechen

Bevor man den Schnuller generell verdammt, sollte man zuerst bei der Benutzung differenzieren: Ist der Schnuller nur eine Einschlafhilfe oder kommt er auch tagsüber regelmäßig zum Einsatz? Ist der Schnuller immer die Erste Hilfe-Maßnahme oder versucht man zuerst, das Baby anderweitig zu beruhigen? Bekommt das Baby Nahrung, wenn es hungrig ist oder dient der Schnuller dazu, Hunger zu überbrücken?

In mehreren Studien wurde festgehalten, dass der Schnuller in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Mittelohrentzündung steht.

Vor allem Zahnärzte und Kieferorthopäden haben eine sehr strikte Anti-Schnuller-Haltung. Kieferorthopäden sind allerdings auch der Meinung, dass am Daumen lutschen noch wesentlich schädlicher ist. Der Daumen ist keineswegs kieferfreundlich geformt, und bewirkt ein Nach-Vorne-Schieben des Oberkiefers, was den Unterkiefer im Wachstum behindert und zu schwer korrigierbaren Fehlstellungen im Zahn- und Kieferbereich führt. Ein Schnuller aus Latex ist weich und der Form des Kiefers angepasst, und dem Daumen gegenüber zu bevorzugen.

Wird der Schnuller länger als bis zum 3. Lebensjahr eingesetzt, kann es zum sogenannten „lutschoffenen Biss“ kommen. Dieser zeigt sich in einm fehlenden Kontakt zwischen Ober- und Unterkiefer, der durch den Schnuller behindert war.

Ebenfalls durch zu langes Schnullernuckeln können Sprachstörungen entstehen, vor allem Zungenfehlstellungen, die Probleme mit Aussprache von „S“ und „Z“ bereiten.

Abschied vom Schnuller

Optimal wäre es, wenn Ihr Kind bereits ab dem ersten Lebensjahr den Schnuller nur mehr zu bestimmten Gelegenheiten bekommt, wie zum Einschlafen oder zur Beruhigung.

Deshalb sollte der Schnuller auch nicht jederzeit für Ihr Kind verfügbar sein, sonst wird es aus Routine oder Langeweile möglicherweise ständig daran saugen.

Spätestens zum dritten Geburtstag sollte der Schnuller in einem Paket an die Schnullerfee landen, vielleicht im Austausch gegen eine kleine Belohnung.

Erklären Sie Ihrem Kind, warum es den Schnuller nicht weiter benutzen soll und legen Sie jede Menge Geduld an den Tag. Es gibt auch einige tolle Bilderbücher zu diesem Thema! Loben Sie Ihr Kind für jeden Tag ohne Schnuller, wenn eine gewisse Anzahl erreicht ist, könnte eine Belohnung winken.

Weitere hilfreiche Artikel für Eltern – etwa zu Ernährung, Erste Hilfe oder Schutz und Wachstum – finden Sie in unserem Elternratgeber.