Richtig Blutdruck messen

Richtig Blutdruck messen – so geht’s!

Bluthochdruck gilt in Deutschland als Volkskrankheit Nummer eins. Nahezu jeder zweite Erwachsene leidet an Hypertonie, wie hoher Blutdruck im medizinischen Fachjargon heißt. Zum Teil sogar, ohne es zu wissen. Dabei kann ein hoher Blutdruck langfristig schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen und unter anderem Schädigungen am Herzen, Gehirn oder an den Nieren verursachen. Daher ist für Betroffene eine regelmäßige Blutdruckmessung unabdingbar. Die tägliche Dokumentation der Werte in den sogenannten Blutdruckpass beziehungsweise die digitale Datenspeicherung unterstützt den behandelnden Arzt, einen optimal abgestimmten Therapieplan zu entwerfen.

Allerdings können bei der Selbstmessung Fehler passieren, sodass der Arzt mit falschen Messergebnissen arbeitet und eventuell eine zu hohe oder zu niedrige Dosierung von Medikamenten verordnet beziehungsweise unnötig Arzneimittel verschreibt. Zur Vermeidung derartiger Fehlmessungen finden sich im Folgenden grundlegende Informationen zum Thema Blutdruck, eine Anleitung zum richtigen Blutdruckmessen sowie Tipps zur Senkung von Bluthochdruck.

Hoher Blutdruck in der Übersicht

Ein hoher Blutdruck läuft oft im Verborgenen ab und macht sich weder durch Schmerzen noch andere Einschränkungen bemerkbar. Und das macht ihn so tückisch. Immerhin handelt es sich dabei um eine möglicherweise langfristig lebensbedrohliche Krankheit, genauer gesagt um eine Erkrankung des Gefäßsystems. Das Blut fließt mit zu hohem Druck durch den Körper und schädigt die Gefäßwände. Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Nierenversagen können drohen.

Im Mittelpunkt der Blutdruckmessung stehen zwei Werte, die in der Einheit „Millimeter Quecksilbersäule“ (mmHg) angegeben werden: der systolische sowie diastolische Wert. Die Messung erfolgt je nach körperlicher und gesundheitlicher Voraussetzung am Oberarm oder Handgelenk. Bei eingeschränkter Beweglichkeit sind Oberarmmessgeräte schwierig anzubringen, bei besonders kräftigen Handgelenken oder verhärteten Blutgefäßen empfehlen sich wiederum keine Handgelenksmanschetten.

Im ersten Schritt bläst sich die Manschette auf und drückt die Adern so weit zusammen, bis der Blutfluss stoppt. Im zweiten Schritt wird die Luft wieder abgelassen. Vereinfacht gesagt: Der systolische Wert gibt den Druck beim Herzschlag wieder, wenn der Herzmuskel sich zusammenzieht und sauerstoffreiches Blut in den Körper pumpt. Der diastolische Wert steht für den Druck auf die Gefäße beim Erschlaffen des Herzmuskels, wenn das Blut wieder ungehindert durch den Arm fließen kann.

Richtwerte für Blutdruck

Blutdruckwerte von 120 zu 80 mmHg bis 129 zu 84 mmHg gelten als normal, darunter sogar als optimal. Allerdings nur bis zu einem Wert von 100 zu 60 mmHg bei Frauen und 110 zu 60 mmHg bei Männern. Unterschreiten die Werte diese Grenze, spricht man von einem zu niedrigen Blutdruck (arterielle Hypotonie). Ebenso wie bei einem zu hohen Blutdruck kann ein zu niedriger Blutdruck dem Körper Schaden zufügen.

Werte bis 139 zu 89 mmHg werden als tolerierbarer oder hochnormaler Bereich bezeichnet. Zwar sind die Werte dann leicht erhöht, jedoch sind keine blutdrucksenkenden Medikamente erforderlich. Änderungen im Lebensstil reichen in der Regel aus, um den Blutdruck in den normalen Bereich zu senken (weiter unten im Text erklären wir, was Sie zu beachten haben).

Ab einem Wert von 140 zu 90 mmHg liegt Bluthochdruck vor. Spätestens ab dieser Wertgrenze sollte man den Blutdruck medizinisch betreuen lassen und regelmäßig messen.

Überschreitet der systolische Wert hingegen die Grenze von 140 mmHg und bleibt der diastolische Wert unter 90 mmHg, liegt eine isolierte systolische Hypertonie vor. Diese betrifft insbesondere ältere Menschen.

Einteilung Oberer Wert (systolisch), gemessen in mmHg Unterer Wert (diastolisch), gemessen in mmHg
Niedriger Blutdruck unter 110/100 unter 60
Optimal unter 120 unter 80
Normal unter 130 unter 85
Hochnormal 130 bis 139 85 bis 89
Leichter Bluthochdruck 140 bis 159 90 bis 99
Mittelschwerer Bluthochdruck 160 bis 179 100 bis 109
Schwerer Bluthochdruck 180 oder mehr 110 oder mehr
Isolierte systolische Hypertonie 140 oder mehr unter 90

Eine einzige Messung sagt nichts über den Blutdruck aus

Es ist völlig normal, dass bei körperlicher Anstrengung, Stress oder besonderen Umständen der Blutdruck ansteigt. Das heißt nicht, dass ein genereller Bluthochdruck vorliegt. Viel entscheidender ist der Ruheindikator. Denn überschreiten Messungen im Ruhezustand regelmäßig einen Wert von 140 zu 90 mmHg, ist von einem hohen Blutdruck die Rede. Die genaue Diagnose stellt der Arzt. Allerdings kann eine einzige Messung die korrekten Blutdruckwerte nicht wiedergeben. Eine Vielzahl von Faktoren können eine Rolle spielen und die Messung beeinflussen. So zum Beispiel die Aufregung während eines Arztbesuchs, der den Weißkitteleffekt auslöst und für einen Anstieg des Blutdrucks sorgt.

Als relativ verlässliche Methode zur Ermittlung der Blutdruckwerte hat sich die Langzeitmessung bewährt. Patienten tragen für 24 Stunden eine Blutdruckmanschette, die am Tag alle 15 Minuten den Blutdruck misst und in der Nacht alle halbe Stunde. Wichtig bei dieser Form der Blutdruckmessung ist, dass Patienten sich in dieser Zeit nicht zurücknehmen und wie üblich ihrem Alltag nachkommen. Nicht weniger wichtig ist, dass sie ein Tätigkeitsprotokoll führen und ihre Aktivitäten vermerken.

So misst man den Blutdruck richtig

Bei einer vorliegenden Hypertonie oder Blutdruckwerten im beobachtungswürdigen Bereich sollte man den Blutdruck zweimal täglich messen. Da der Arzt dies nicht täglich durchführen kann, führen Patienten eine Selbstmessung durch. Eine routinierte Vorgehensweise bei der Blutdruckmessung hilft, Fehler und somit verfälschte Ergebnisse zu vermeiden. Die Vorgehensweise sollte laut Deutsche Hochdruckliga e. V. (Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention) wie folgt ablaufen:

  1. Morgens und abends möglichst immer zur gleichen Zeit und vor der Einnahme von Medikamenten messen (siehe hierzu auch „Medikamente und Essen, was verträgt sich?“).
  2. Anstrengungen und Stress vor der Messung vermeiden und am besten fünf Minuten zur Ruhe kommen. Die Entspannungsphase nach körperlicher Aktivität oder Stress entsprechend verlängern und dann erst die Selbstmessung durchführen.
  3. Entspanntes und aufrechtes Sitzen, die Rückenlehne nutzen und die Füße nebeneinander auf dem Boden platzieren.
  4. Für Ruhe sorgen, sich nicht mehr als nötig bewegen sowie auf Unterhaltungen, Musik und die Nutzung von Elektronikgeräten verzichten.
  5. Das Messgerät korrekt anbringen.
  • Oberarm: Bei Messgeräten mit einer Manschette für den Oberarm befindet sich der richtige Messpunkt ungefähr zwei Finger breit oberhalb der Armbeuge. Die Manschette muss sich auf Herzhöhe befinden, ansonsten kann es zu falschen Ergebnissen kommen. Ebenso darf die Manschette nicht zu fest, aber auch nicht zu lasch angelegt werden. Der aufblasbare Teil sollte zudem nach innen zeigen, wo auch die Oberarmarterie (Armschlagader) verläuft.
  • Handgelenk: Bei Messgeräten für das Handgelenk befindet sich der richtige Messpunkt rund ein bis eineinhalb Zentimeter unterhalb des Handballens in Richtung Ellbogen. Die Vorrichtung schaut dabei zur Handinnenfläche und muss ebenfalls auf Herzhöhe liegen, um valide Werte zu ermitteln. Dazu legt man am besten den Ellbogen auf den Tisch und beugt den Arm leicht, bis sich das Gerät auf Herzhöhe befindet.
  1. Wenn die Messwerte ungewöhnlich hoch oder zu niedrig sind, sollte man mit ein paar Minuten Verzögerung noch einmal messen. Fehler wie ein falsches Anbringen des Messgeräts könnten hierfür verantwortlich sein.

Die täglichen Ergebnisse der Selbstmessung notiert man sich mit Datum und Uhrzeit in den Blutdruckpass, sofern das Messgerät kein digitales Speichermedium oder Verbindungen zu Apps aufweist.

Die häufigsten Fehler bei der Blutdruckmessung

Die Werte einer Messung im Allgemeinen und einer Blutdruckselbstmessung im Speziellen, wie sie auch heißt, können schnell verfälscht werden. Kleinigkeiten reichen oft aus. Zu den häufigsten Fehlern zählen:

  • Nervosität oder körperliche Anstrengung
  • Konsum von Alkohol oder Kaffee
  • Rauchen
  • bereits eingenommene Medikamente
  • nur eine Messung pro Tag
  • falscher Messpunkt oberhalb oder unterhalb der Herzhöhe
  • falsches Blutdruckmessgerät oder zu große beziehungsweise kleine Blutdruckmanschette

Insbesondere das Messgerät kann fehlerhafte Werte hervorrufen. Darum ist die Qualität des Blutdruckmessgeräts von entscheidender Bedeutung. Auf der Homepage der Deutsche Hochdruckliga e. V. findet sich eine Übersicht zu Geräten, die verlässliche Werte liefern. Darüber hinaus sollte man das Messgerät zum nächsten Arzttermin mitnehmen. Dort kann man die Ergebnisse anhand einer Messung mit dem eingesetzten Gerät aus der Praxis vergleichen oder sich vom Arzt das korrekte Messen zeigen lassen.

Tipps bei zu hohem Blutdruck

Wie bereits zu Beginn erwähnt, kann man selbst mit ein paar Veränderungen zu einem gesünderen Blutdruck beitragen. Vor allem bei Werten zwischen 130 zu 85 mmHg bis 139 zu 89 mmHg bringen Veränderungen des Lebensstils mehr als Medikamente:

  • regelmäßige Bewegung (etwa eine halbe Stunde an mindestens fünf Tagen in der Woche
  • weitestgehender Verzicht auf Alkohol und Nikotin
  • gesunde Ernährung mit wenig Salz (maximal sechs Gramm pro Tag)
  • Gewichtsreduktion auf Normalgewicht
  • strukturierter Tagesablauf mit regelmäßigen Pausen und Erholungsphasen

Weiterführende Links zur Blutdruckmessung

Deutsche Hochdruckliga e. V. – Geprüfte Messgeräte

Deutsche Herzstiftung – Verfälschte Werte aufgrund von Aufregung vermeiden

Deutsche Hochdruckliga e. V. – Richtig Blutdruck messen

BlutdruckDaten – Blutdruck Normalwerte