Mythos oder Wahrheit Wird man krank durch trockene Heizungsluft

Mythos oder Wahrheit: Wird man krank durch trockene Heizungsluft?

Herbst und Winter ist Erkältungszeit. Durch viele Medien wird uns mitgeteilt, dass Heizungsluft die Schleimhäute reizt, die Haut austrocknet und Bakterien und Keime leichter in den Körper eindringen können. In der Serie „Mythos oder Wahrheit“ geht eurapon für Sie dem Wahrheitsgehalt von Volksweisheiten, Großmutters Tipps und sonstigen Mythen rund ums Thema Gesundheit auf den Grund. Heute befassen wir uns also mit dem Phänomen, dass trockene Heizungsluft krank macht. Ist da was dran, und wenn ja, warum?

Schnupfen durch Heizungsluft – wie passt das?

Auch eine bis zum Anschlag aufgedrehte Heizung schützt uns nicht vor Erkältungen. Das liegt zum einen daran, dass die trockene Heizungsluft die Schleimhäute der oberen Atemwege reizt und austrocknet. An der Oberfläche unserer Schleimhäute befinden sich eine Menge Flimmerhärchen, deren Aufgabe es ist, den Körper vor dem Eindringen von Krankheitskeimen und Fremdkörpern zu schützen. Bei warmer, trockener Luft bewegen sich diese Flimmerhärchen weniger, ihre Reinigungskraft wird vermindert.

Außerdem werden Krankheitskeime, die sich über die Tröpfcheninfektion übertragen, durch die trockene Luft flugfähiger. Man kann sie leichter aufwirbeln, und somit auch leichter einatmen.

Zu allem Übel überleben Grippeviren bei trockener Luft auch länger als in Räumen mit höherer Luftfeuchtigkeit.

Sind alle Menschen gleich empfindlich?

Ideal für unseren Körper wäre eine Wasserdampfsättigung von 40 bis 60 %. Ist die Luft trockener, sind ein kratzender Hals, tränende Augen, trockene Nasenschleimhäute, die sogar zu Nasenbluten führen können, ausgetrocknete Lippen und spannende Gesichtshaut typische Symptome. Dennoch sind nicht alle Menschen gleich betroffen, denn genau wie der Geruchssinn unterschiedlich empfindlich ausgeprägt ist, ist auch die Empfindlichkeit der Schleimhäute unterschiedlich.

Besonders empfindlich sind ältere Menschen, Personen, die beruflich viel mit Desinfektionsmitteln arbeiten, und Personen, die unter Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte (Psoriasis) leiden. Auch bei Rauchern und Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen verstärken sich die Beschwerden durch trockene Heizungsluft.

Heizung abstellen als Alternative?

Auf das Heizen zu verzichten ist definitiv keine Alternative, denn kalte, ungelüftete Räume sind anfällig für Schimmelbildung. Unter 16 Grad sollte die Raumtemperatur nicht fallen, auch unbenützte Räume sollten Sie auf dieses Minimum heizen und regelmäßig lüften.

Richtig lüften funktioniert übrigens so: Heizung aus und Fenster auf für vier bis sieben Minuten, am besten für Durchzug sorgen. Vermeiden Sie den Fehler, die Fenster im Winter gekippt zu lassen, das kühlt die Räume unnötig aus und sorgt für mehr Heizbedarf.

Nach dem Baden, Duschen und Kochen sollten Sie ebenfalls durchlüften und den Dampf abziehen lassen.

Hilfe bei trockener Raumluft

Gegen trockene Raumluft hilft aber auch Lüften nicht immer, denn an kalten, trockenen Wintertagen kann die Luftfeuchtigkeit dadurch noch sinken. Wenn sich die kalte Luft im Rauminneren erwärmt, ist sie bereit, Feuchtigkeit aufzunehmen, die aber nicht vorhanden ist. Erste Abhilfe können Zimmerpflanzen schaffen, die Gießwasser über die Blätter verdunsten. Bei sehr trockener Luft ist das alleine jedoch nicht ausreichend.

Oftmals werden elektrische Luftbefeuchter eingesetzt, welche Wasser zum Verdampfen oder Verdunsten bringen. Fachleuten sehen diese Geräte jedoch vor allem am Arbeitsplatz kritisch. Voraussetzung für eine gesunde Anwendung ist nämlich, dass das Wasser der Luftbefeuchter regelmäßig ausgewechselt wird und das Gerät gereinigt wird, sonst schleudert es neben Wassertröpfchen auch Krankheitskeime um sich. Außerdem benötigen diese Luftbefeuchter oftmals unverhältnismäßig viel Strom.

Für Abhilfe sorgt auch eine Schale Wasser auf der Heizung (welches natürlich auch regelmäßig gewechselt werden muss), bzw. ein feuchtes Handtuch.

Damit Sie die Luftfeuchtigkeit in ihren vier Wänden besser einschätzen können und auch der Schimmelgefahr vorbeugen, sollten Sie sich ein Hygrometer anschaffen.

Am Arbeitsplatz können Sie oftmals wenig Einfluss auf die Luftfeuchtigkeit nehmen, deshalb empfiehlt es sich, die Nasenschleimhäute mit regelmäßigen Salzspülungen zu befeuchten. Salben und Öle helfen bei akuten Beschwerden. Die Haut ist dankbar für fetthaltige Cremes mit Urea oder Hyaluronsäure. Und auch, wenn das Durstgefühl im Winter weniger ausgeprägt ist, gilt es, ausreichend zu trinken! So können Sie vielleicht die eine oder andere Erkältungskrankheit erfolgreich umgehen, denn trockene Heizungsluft macht krank, das ist Fakt und kein Mythos.