Mythos oder Wahrheit: Machen Kopfbälle dumm?
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Mythos oder Wahrheit: Machen Kopfbälle dumm?

Stilblüten von Fußballern gibt es im Netz einige zu finden, mal zum Kopfschütteln, mal zum Schmunzeln oder beides.

„In einem Jahr habe ich mal 15 Monate durchgespielt.“ (Franz Beckenbauer)

„Ich grüße meinen Vater, meine Mutter, und besonders meine Eltern.“ (Toni Polster)

Der Fairness halber muss man natürlich sagen, dass die meisten Aussagen direkt nach einem Spiel getätigt wurden. Wenn man in Gedanken noch beim Match ist, während einem der Reporter bereits das Mikro unter die Nase hält, kann durchaus was Lustiges dabei herauskommen. Böse Zungen behaupten jedoch, die Intelligenz der Fußballer würde durchaus auch aufgrund der oft gespielten Kopfbälle leiden. Doch handelt es sich dabei wirklich nur um die Reden böser Zungen, oder steckt hier auch Wahrheit dahinter?

Diesem Thema gehen wir heute in unserer Reihe „Mythos oder Wahrheit“ auf den Grund.

Bälle treffen mit bis zu 100 km/h am Kopf auf

Beim Fußball ist das absichtliche Berühren des Balls mit der Hand oder dem Arm nicht erlaubt. Daher wird ein Kopfball gerne eingesetzt, um halbhohe oder hohe Bälle an einen Mitspieler abzugeben oder auch in Richtung Tor zu spielen. Im Fußballjargon wird der Kopfball korrekterweise als Kopfstoß bezeichnet.

Kopfstöße werden entweder aus dem Stand, öfter aber im Laufen oder im Sprung ausgeführt. Was im Stadion und im TV meistens eher nach „irgendwie zufällig“ aussieht, wird von den Spielern genau durchdacht: Sie müssen die Flugbahn des Balls berechnen, und daraus schließen, wann sie wie hoch springen müssen. Damit das im „Ernstfall“ perfekt funktioniert, müssen die Spieler natürlich auch Kopfstöße trainieren.

Dass es durchaus von Bedeutung ist, Kopfstöße korrekt auszuführen, zeigt die EM von 2012, denn immerhin wurden 22 von 76 erzielten Toren mit dem Kopf ausgeführt.

Bestehen Gesundheitsrisiken bei Kopfbällen?

Zu diesem Thema gibt es verschiedene Studien. Die Uni Regensburg fand beispielsweise heraus, dass ein kurzes Kopfballtraining keine gesundheitlichen Auswirkungen auf die Gedächtnisleistung von Fußballern hat. Konkreter wird da eine Studie der New Yorker Yesheva-Universität, die in der Magnetresonanztomographie (MRT) von Fußballern, die mehr als 885 Kopfstöße pro Jahr spielten, unnormale weiße Flecken orteten. Die kognitive Leistung dieser Spieler war auch messbar schlechter. Forscher aus Deutschland und USA verglichen auch die Gehirne von Profifußballern mit denen von Leistungsschwimmern per MRT-Scan. Dabei stellten ebenfalls besagte weiße Flecken fest. Diese Flecken zeigen Störungen der Nervenkommunikation an. Da diese Studien jedoch nur an wenigen Teilnehmern und nicht über einen längeren Zeitraum hinweg durchgeführt wurden, ist die Aussagekraft vorsichtig zu beurteilen.

Eine im Jahr 2016 in Schottland durchgeführte Studie bestätigte die Ergebnisse die weißen Flecken betreffend, und zwar äußerst dramatisch. Die Studienteilnehmer mussten 20 Kopfstöße durchführen, vorher und nachher wurde ihre Gehirnleistung getestet. Das Resultat: Die Fußballer schnitten bei den Tests nach den Kopfbällen um bis zu 67 % schlechter ab. Jedoch beweist diese Studie auch noch mehr: Dass sich die Leistung innerhalb von 24 Stunden wieder erholt.

Natürlich spielt es auch eine Rolle, wo auf dem Fußballfeld der Spieler eingesetzt wird, denn ein Torhüter kommt wesentlich weniger in den Kontakt mit Kopfbällen als ein Feldspieler.

Was passiert bei Kopfbällen im Gehirn?

Unser Gehirn schwimmt von Gehirnflüssigkeit umgeben in der Schädelhöhle. Bei starken Erschütterungen, wie zum Beispiel durch einen 100 km/h herandonnernden Kopfball, kann es gegen den Knochen stoßen und Mikroverletzungen davontragen. Bei Ausführen eines Kopfstoßes wurde eine sechsmal höhere Beschleunigung gemessen, als Kampfjetpiloten auszuhalten haben. Auch Boxer, Handball-, Eishockey- und Basketballspieler sind davon betroffen. Inzwischen haben Studien gezeigt, dass zehn bis zwanzig Prozent der Boxer unter neuropsychiatrischen Erkrankungen leiden. Auch Alzheimer und die neurodegenerative Erkrankung ALS (amyotrophe Lateralsklerose) treten bei Fußballern etc. um ein Vielfaches häufiger auf.

In den USA sind Kopfbälle bei Kindern unter 11 Jahren aus diesem Grund verboten.

Leider ist es also kein Mythos, dass Kopfbälle zumindest vorübergehend „dumm“ machen, und möglicherweise sogar die Langzeitrisiken einer neurologischen/psychiatrischen Erkrankung bergen. Endgültig bestätigt wurde der Zusammenhang bis dato allerdings noch nicht.

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