Mythos oder Wahrheit: Bei Wärme keine kalten Getränke trinken?

Mythos oder Wahrheit – Bei Wärme sollten Sie keine kalten Getränke trinken?

Dass es uns bei Sommerhitze mit 30 °C und mehr nach eisgekühlter Limonade gelüstet und nicht nach einer dampfenden Tasse Tee, ist eigentlich nicht verwunderlich. Dass unser Körper das aber eigentlich anders sieht, ist das Paradoxon, dem wir uns heute widmen.

Hauptsächlich soll durch das Trinken bei heißem Wetter der Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen ausgeglichen werden. Schwitzen ist nämlich die wesentlich effektivere Kühlung, als das in sich Hineinschütten von einem Liter kaltem Getränk, wodurch man gerade einen halben Grad an Abkühlung erreicht.

Abkühlung durch Schweißfunktion

In südlichen Ländern versucht man deshalb, die körpereigene Kühlfunktion zu stimulieren, indem man schluckweise warme (nicht heiße!) Getränke zu sich nimmt. Schwitzen alleine reicht jedoch nicht, um die gewünschte Abkühlung zu erreichen, der Schweiß muss auf der warmen Haut verdunsten. Dabei wird unserem Körper Wärme entzogen, und die Verdunstungskälte schafft die gewünschte Abkühlung. Bei trockener Hitze funktionieren die rund 30.000 Temperatursensoren wesentlich besser, als bei feucht-warmen Klima.

Bei rund 15 % Luftfeuchtigkeit, wie es in manchen Wüstengegenden der Fall ist, merkt man das Schwitzen gar nicht mehr, da der Schweiß sofort verdunstet ist. Deswegen tragen Bewohner in diesen Breiten auch weite, luftige Kleidung, die eine Verdunstung begünstigt. Die bei uns übliche Sommerkleidung verhindert diesen Effekt meistens eher.

Kalte Getränke lösen falsches Signal aus

Ein weiterer Grund, warum davon abgeraten wird, kalte Getränke bei Wärme zu konsumieren, ist die Fehlinformation, die wir unseren Sinneszellen liefern. Sowohl die Wärme unserer äußeren Umgebung, als auch die der inneren nehmen wir über Sinneszellen wahr. Beim Sonnenbad erhält der Körper das Signal, die Kühlung einzuschalten. Beim Konsum eines Kaltgetränks glauben unsere Sensoren jedoch, dass es Zeit für die Heizfunktion ist. Das kalte Getränk wird auf Körpertemperatur erwärmt , wofür der Körper Energie braucht . Wie wir aus dem Physikunterricht noch wissen, erzeugt Energie Wärme – und genau das wollen wir ja eigentlich nicht!

Sonnenbrand durch die Autoscheibe, einen Schnaps nach der Verdauung, bei heißen Temperaturen keine kalten Getränke trinken – bis heute gibt es eine Vielzahl an medizinischen Behauptungen. Aber stimmen diese wirklich? Wir gehen den Gesundheitsmythen auf den Grund und klären, ob sie erfunden sind oder tatsächlich stimmen.

Magenbeschwerden durch kalte Getränke

Ein weiterer Grund, weshalb Sie vor allem zu den Mahlzeiten zu zimmerwarmen Getränken greifen sollten, sind mögliche Magen- und Verdauungsbeschwerden durch eiskalte Getränke. Zur Verdauung werden Magensäure und bestimmte Enzyme benötigt, welche am besten bei 37 °C arbeiten. Bei Kontakt mit Eisgekühltem werden sie inaktiv, deshalb sollten Sie sich dieses für zwischendurch vorbehalten, wenn Sie nicht darauf verzichten wollen.

Richtig ist außerdem, dass manche Menschen auf kalte Speisen und Getränke mit unangenehmen Kopfschmerzen reagieren. Das liegt daran, dass sich durch die Kälte kurzfristig Gefäße verengen, und dadurch manche Regionen des Gehirns nicht ausreichend durchblutet werden.

Wie viel sollten Sie denn nun trinken?

Man liest zwar ständig davon, „ausreichend“ zu trinken, vor allem bei großer Hitze, aber seltener davon, dass zu viel trinken ebenfalls schädlich ist.

Grundsätzlich gilt: 1,5 Liter sollten von einem gesunden Erwachsenen in Form von Getränken aufgenommen werden. Mit 1,5 bis 2 Litern kommt eine durchschnittlich große Frau ohne zusätzliche sportliche Belastung prima durch den Tag. Alles, was wir darüber hinaus trinken, sorgt ausschließlich dafür, dass wir öfters zur Toilette müssen. Weder werden durch Extraliter mehr Giftstoffe ausgespült, noch werden wir dadurch schöner, jünger oder schlanker (auch wenn Models uns das stets glauben lassen wollen).

Kaffee durfte lange nicht in der Tagesbilanz an konsumierten Flüssigkeiten mit eingerechnet werden. Im Gegenteil, es wurde geraten, die gleiche Menge an Wasser nachzutrinken, da Kaffee den Körper entwässert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung schreibt, dass Kaffee einen wichtigen Beitrag für die Gesamtflüssigkeitszufuhr darstellt. Daher kann er ganz normal mit in die Bilanz eingerechnet werden kann. Allerdings wird davon abgeraten, mehr als 4 Tassen pro Tag zu trinken.