Microneedling – Mit vielen kleinen Nädelchen schön?

„Wer schön sein will, muss leiden.“ – Zumindest schießt dieses Sprichwort einem unweigerlich in den Kopf, wenn man daran denkt, dass Hunderte feiner Nadeln wieder und wieder in die Haut eindringen und sie verschönern sollen. Microneedling ist in aller Munde. Nicht zuletzt, weil Hollywood-Stars wie Angelina Jolie oder Gwyneth Paltrow darauf schwören. Schließlich macht das Altern auch vor ihnen keinen Halt. Doch handelt es sich beim Microneedling um eine empfehlenswerte Methode oder nur um einen weiteren Beauty-Trend?

Die Wirkung der Nadeln

Auch wenn Hollywood-Stars auf die ästhetischen Folgen der vielen kleinen Nadelstiche setzen, findet sich der Ursprung des Microneedlings in keinem kalifornischen Kosmetikstudio. Stattdessen begannen Ärzte mithilfe der Nadeln unebene Hautflächen und schmerzhafte Narben zu glätten. Nach und nach kamen weitere Aspekte hinzu, sodass sich die Anwendung mittlerweile vordergründig auf folgende Bereiche erstreckt:

  • Beseitigung und Minimierung von Falten, Pigmentflecken und Narben,
  • Auffrischung und Verfeinerung des Hautbilds,
  • höhere Aufnahmefähigkeit der Haut für Pflegeprodukte.

Die Tiefe entscheidet

Für Mediziner wird es erst ab einer Tiefe zwischen einem halben und drei Millimetern spannend. In diesem Bereich erzielen sie die besten Ergebnisse. Die zahlreichen Nadeln dringen in die sogenannte Lederhaut (Dermis) ein und können bisweilen umfangreichere Probleme wie Lach- oder Stirnfalten reduzieren. Dabei rufen die bewusst ausgelösten, feinen Verletzungen eine Reaktion des Körpers hervor und es kommt zu einer Wundheilung. Infolgedessen werden verschiedene Botenstoffe und Wachstumsfaktoren ausgeschüttet, darunter:

  • Kollagen (festigt das Bindegewebe),
  • Elastin (für mehr Hautelastizität),
  • Hyaluronsäure (als Feuchtigkeitsspeicher der Haut).

Zwischen medizinischem und kosmetischem Microneedling

Während bei einer Tiefe von drei Millimetern und dem Eindringen in die Lederhaut von einem medizinischen Microneedling gesprochen wird, ist bei einer maximalen Tiefe von 0,3 Millimetern und dem Eindringen in die oberste Hautschicht (Epidermis) von einem kosmetischen Microneedling die Rede. Zwar kommt es hier auch zu einer Wundheilung, allerdings bemängeln Mediziner, dass die Ausschüttung von Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure in wesentlich geringfügigeren Mengen als bei der Reizung der Lederhaut erfolgt und die Ergebnisse eher oberflächlich ansetzen.

Arztpraxis, Kosmetikstudio oder doch lieber zu Hause?

Vor dem Microneedling gilt es, einige Fragen zu beantworten. So besteht die Möglichkeit, die Behandlung zu Hause selbst durchzuführen. Im Internet und im Einzelhandel finden sich entsprechende Utensilien (Derma-Pen/Derma-Roller). Beim Derma-Pen handelt es sich um eine Art Vibrationsstift, der anstelle einer Kugelschreibermine Nadeln aufweist. Der Derma-Roller dagegen ähnelt einer kleinen Farbrolle – nur eben mit Nadeln.

Eine häusliche Anwendung ist mit Vorsicht zu genießen und sollte nur bei sehr oberflächlichen Anliegen durchgeführt werden. Dabei ist auf eine gründliche Hygiene zu achten, die Haut muss geschlossen sein und darf keine Reizungen, Schäden oder Erkrankungen aufweisen. Zudem sollte die Haut vorher fachmännisch begutachtet werden. Alles Argumente, die für eine Behandlung durch einen Profi sprechen. Bei Wunden, Entzündungen oder Herpesbläschen, bei aktiver Akne oder Sonnenbrand oder nach Peelings oder der Einnahme blutverdünnender Mittel kommt ein Microneedling ohnehin nicht infrage oder erst nach Besserung bzw. einer Pause. Deshalb sollte gerade bei größeren Problemen der Weg direkt zum Hautarzt führen. Letzterer kann mögliche Nebenwirkungen beurteilen und im Gegensatz zu einem Kosmetikstudio gleich medizinische Gegenmaßnahmen einleiten.

Schönheit zum Mitnehmen?

Anders als beim Vampir-Lifting, bei dem in einer Behandlungssitzung körpereigenes Blutplasma in die Haut injiziert wird, lassen sich beim Microneedling mit einer einzigen Behandlung keine unmittelbaren Erfolge erzielen. Dafür ist das Anwendungsgebiet umfangreicher und beschränkt sich nicht nur auf das Auffrischen der Haut.

Mit wahrnehmbaren Verbesserungen ist z. B. bei einer Faltenreduktion nach drei bis sechs Monaten zu rechnen. Hierfür sind sechs bis acht Sitzungen in einem Abstand von zwei Wochen und einer Länge von bis zu 90 Minuten nötig.

Im Winter schön für den Sommer

Der Zeitpunkt der Durchführung ist nicht minder wichtig. Sonnenschwächere Monate bieten sich an, denn andernfalls können Probleme behoben werden, aber gleichzeitig neue (z. B. Pigmentflecken durch Sonneneinstrahlung) entstehen.

Werden alle notwendigen Fragen gründlich berücksichtigt und arbeitet der Hautarzt oder das Kosmetikstudio gewissenhaft, dürften keine Schäden entstehen, sodass einem Hauch Hollywoods nichts im Wege steht.