Jahrestag Max Birchner Benner

Max Bircher-Benner – Pionier der Vollwertkost

Die meisten von uns kennen einen Teil seines gedanklichen Erbes, das Bircher-Müsli, aber der „Erfinder“ dahinter ist uns weniger geläufig. Da der Schweizer Pionier der Vollwertkost am 22. August seinen 150. Geburtstag feiern würde, nehmen wir diesen Termin zum Anlass, uns ein wenig mit seinem Lebenswerk zu befassen.

Maximilian Oskar Bircher-Benner wurde am 22. August 1867 in Aarau (Schweiz) geboren. Schon seit der Kindheit galt sein Interesse der Medizin, welche er in Zürich und Berlin studierte. Daneben vertiefte er sein Wissen in den Bereichen Naturheilkunde, Hydrotherapie und Diätetik. Gleich nach dem Studium übernahm Max Bircher-Benner 1891 in Zürich eine kleine Stadtpraxis, wo er weiter an seiner Diät feilte, welche auf pflanzlicher Rohkost basierte. 1897 war die kleine Praxis bereits zu einer Privatklinik herangewachsen, wo Patienten auch stationär behandelt wurden auf der Basis seiner diätetischen Heilnahrung.

Privatsanatorium „Lebendige Kraft“

Nachdem weltweit großes Interesse an der Heilnahrung von Dr. Max Bircher-Benner bestand, gründete er 1904 in Zürich ein großes Privatsanatorium, welches ständig erweitert wurde. Damit sich auch „Wenigerbemittelte“ einen Kuraufenthalt in Dr. Bircher-Benners Sanatorium leisten konnten, erbrachten diese Patienten Gegenleistungen in Form von Hilfe bei der Hauswirtschaft und im Garten.

Im Sanatorium „Lebendige Kraft“ gaben sich prominente Musiker, Schriftsteller und Politiker die Klinke in die Hand, so zum Beispiel Otto Klemperer, Carl Friedberg, Rainer Maria Rilke, Thomas Mann und der König von Siam.

Privat war Bircher-Benner seit 1893 mit der Apothekertochter Elisabeth Benner verheiratet, die ihm 7 Kinder schenkte. Alle 4 Söhne arbeiteten später ebenfalls im Sanatorium ihres Vaters mit.

Kurz vor Max Bircher-Benners Tod wurde aufgrund einer großzügigen Schenkung ein Volkssanatorium für Ordnungstherapie errichtet, welches aber erst nach seinem Tod 1939 eröffnet wurde. Die Söhne Franklin und Willy übernahmen fortan die Leitung des Sanatoriums, welches bis 1994 erhalten blieb.

Die Medizin als Wissenschaft ist bereits mehrere Jahrtausende alt und dementsprechend interessant und vielfältig ist ein Blick zurück. Auf unserem Blog beleuchten wir die Geschichte der Medizin genauer und stellen berühmte Forscher und Entdecker vor, die wichtige Beiträge zum heutigen Wissensstand beigetragen haben.

Das Therapiekonzept von Dr. Bircher-Benner

Den Anstoß für seine Ernährungslehre erhielt der Arzt durch seine Gelbsuchterkrankung und der damit verbundenen Kraft- und Appetitlosigkeit. Einzig frische Äpfel mochte er währenddessen zu sich nehmen, was zu einer baldigen Genesung führte. Auch an magenkranken Patienten testete er seine Rohkostdiät und war erfolgreich damit.

Die „Heilnahrung“ nach Bircher-Benner bezieht ihre Qualität nicht aus dem Gehalt von Nährstoffen, sondern aus der darin gespeicherten Sonnenenergie. Laut seiner Theorie seien rohe Nahrungsmittel wertvoller als gekochte, weshalb mehr als die Hälfte der verzehrten Nahrung daraus bestehen sollte. Auch Fleisch, Konserven und behandelte Lebensmittel lehnte Dr. Bircher ab.

Das optimale Ernährungskonzept umfasste das berühmte Bircher-Müsli, ergänzt mit Gemüse, Salat und Vollgetreide. Im Sanatorium Dr. Birchers wurde jedoch nicht nur nach strengen Ernährungsstrukturen gelebt, sondern auch nach einer Ordnungstherapie, welche Gymnastik, Luftbäder und Wasseranwendungen umfasste. Seine Erkenntnisse veröffentlichte der Arzt in den bekannten „Wendepunktbüchern“, bzw. in seiner eigenen monatlich erscheinenden Zeitschrift.

Kritik an der Ernährungslehre

Vom heutigen Standpunkt der Ernährungswissenschaft wird man diese Form der Heilkost nur mit gewissen Einschränkungen empfehlen. Zwar ist die Ernährung dazu geeignet, um Gewicht zu reduzieren, sowie Blutdruck- und Cholesterinwerte zu normalisieren, und man profitiert davon, sich mit Ernährung und gesunder Lebensweise auseinander zu setzen.

Auf Dauer können jedoch unter anderem Eisen- und Jodmangel entstehen, weshalb man mit jodiertem Salz oder Fleisch gegensteuern muss. Für Schwangere, Stillende und Kleinkinder ist die Ernährungsform ebenfalls ungeeignet. Weiterhin führen größere Mengen Rohkost oftmals zu einer unvollständigen Verdauung, welche Blähungen begünstigt und die Aufnahme von Vitaminen und Spurenelementen verschlechtert.

Originalrezept Bircher-Müsli:

1 EL Haferflocken,

3 EL Wasser,

1-2 geriebene säuerliche Äpfel (komplett mit Schale und Kernhaus!),

Saft von ½ Zitrone,

1 EL gezuckerte Kondensmilch,

1 EL geriebene Nüsse.

Die Haferflocken sollten mindestens 12 Stunden im Wasser eingeweicht werden, anschließend Zitronensaft und Kondensmilch (auch Frisch- oder H-Milch) hinzufügen. Kurz vor dem Verzehr reiben Sie die Äpfel dazu, damit sie nicht zwischenzeitlich braun werden. Streuen Sie zum Schluss noch die geriebenen Nüsse darüber (alternativ für Allergiker: Leinsamen, Sesam oder Sonnenblumenkerne).