Luft im Bauch

Luft im Bauch – was tun?

Die Ansammlung von Luft im Bauch ist sehr unangenehm, und damit verbundene Schmerzen sowie Krämpfen sind keine Seltenheit. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Ein sogenannter Blähbauch (medizinisch: Meteorismus) kann beispielsweise entstehen, wenn Sie sich zum Essen zu wenig Zeit nehmen und Mahlzeiten schlingen und kaum kauen. So gelangt vermehrt Luft in den Bauch oder es bilden sich bei der Zersetzung der unverdauten Nahrung Gase wie Methan (CH4), Wasserstoff (H2) oder Kohlenstoffdioxid (CO2). Was Sie akut und präventiv gegen Luft im Bauch tun können und wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten, finden Sie in den nachfolgenden Abschnitten.

Wodurch entsteht mehr Luft als gewöhnlich?

Befindet sich Luft im Bauch, besteht zunächst einmal kein Grund zur Sorge. Es handelt sich hierbei um einen Bestandteil des Stoffwechselprozesses und stellt somit etwas vollkommen Natürliches dar. In der Regel gibt der Körper die gebildeten Gase innerhalb einer halben Stunde wieder ab. Das geschieht entweder über Flatulenzen (medizinische Bezeichnung für Blähungen oder Darmwinde und die Gasbildung im Magen und Darm) oder geruchloses Ausatmen. In dem Fall nimmt das Blut einen Großteil der Gase auf und transportiert es zu den Lungen.

Allerdings kann es auch passieren, dass der Körper mehr Gase als gewöhnlich produziert und diese nicht wie sonst entweichen können. Das passiert etwa dann, wenn viel unverdaute Nahrung von den Darmbakterien zersetzt werden muss (bis zur vollständigen Verdauung können bis zu 42 Stunden vergehen).

Die Ursachen für einen Blähbauch

Wie bereits eingangs erwähnt, können die Ursachen für einen Blähbauch unterschiedlich sein. So kann die Ernährung für zu viel Luft im Bauch sorgen, aber auch ein ungesunder Lebensstil oder gesundheitliche Aspekte wie Unverträglichkeiten, Krankheiten und Medikamente.

Ernährung

Es gibt eine Vielzahl an Lebensmittel, die Blähungen begünstigen. Dazu zählen unter anderem:

  • Milchprodukte
  • fettes Fleisch
  • Getreide- und Teigerzeugnisse (beispielsweise Müsli, Vollkorn- und Hefeprodukte, ofenfrisches Brot) – besonders Vollkornprodukte
  • Obst und Gemüse, vor allem als Rohkost (Zwiebeln, Kohl und Bohnen; Hülsenfrüchte, Beeren und unreifes Obst)

Diese haben einen hohen Anteil von unverdaulichen Faserstoffen und verlangen dem Darm und seiner Flora beim Verdauungsvorgang mehr ab als zum Beispiel Weißbrot. Dadurch kann es bei einer Ernährungsumstellung von z. B. weißmehlhaltigen Fertigprodukten auf mehr Vollkorn und Rohkost zunächst zu einer verstärkten Gasbildung kommen. Das geschieht so lange, bis sich der Verdauungstrakt sich an die „unbekannte“ Nahrung gewöhnt hat. Getränke mit einem hohen Anteil von Kohlensäure können diesen Effekt ebenfalls hervorrufen.

Auch bestimmte Inhaltsstoffe sowie Bestandteile der Nahrung können eine verstärkte Gasbildung im Bauch verursachen. Beispielsweise können Ballaststoffe (unverdauliche Nahrungsbestandteile) die Verdauung ankurbeln, gleichzeitig jedoch auch für Darmwinde sorgen. Ebenso können Fastfood, Fertiggerichte, scharfes Essen und kohlensäurehaltige Getränke einen Blähbauch begünstigen. Und auch Zuckeraustausch/-ersatzstoffe in Diätprodukten wie Sorbit, Mannit oder Xylit können auf den Magen schlagen.

Ungesunder Lebensstil und Angewohnheiten

Eine ungesunde Lebensweise begünstigt die Bildung von Flatulenzen. Wer viel Stress hat, unter Nervosität leidet oder sich zum Essen keine Zeit nimmt, hat oft mit zu viel Luft im Bauch zu kämpfen. Insbesondere das Schlingen von Mahlzeiten und Snacks sorgt für große Mengen Luft im Bauch. Zusätzlich müssen Magen und Darm durch das ungenügende Kauen mehr Stoffwechselarbeit leisten. Der übermäßige Konsum von Kaffee, Alkohol und Nikotin kann ebenfalls zu einer erheblichen Gasbildung beitragen.

Auch bei Bewegungsmangel kommt die Verdauung nicht richtig in Schwung. Die Nahrung wird langsamer verdaut und eine übermäßige Gasbildung im Magendarmbereich so begünstigt. Deshalb sollte man sich an den zweiten Teil des alten Sprichwortes halten: ‚Nach dem Essen soll man ruh’n – oder tausend Schritte tun‘. Dabei kann es schon hilfreich sein, die Treppe statt des Fahrstuhls zu nehmen oder eine U-Bahnstation früher auszusteigen und den Rest der Strecke zu Fuß zurückzulegen.

Doch nicht nur ein ungesunder Lebensstil kann einen Blähbauch begünstigen, sondern auch eine Ernährungsumstellung. Der Körper muss sich an die neuen Gegebenheiten gewöhnen, sodass es in der Anfangszeit vermehrt zu Flatulenzen kommt.

Gesundheitliche Aspekte

Auch gesundheitliche und körperliche Aspekte spielen bei der vermehrten Bildung von Luft im Bauch eine nicht unwesentliche Rolle. So können bestimmte Medikamente wie Antibiotika die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen, da sie nützliche und schädliche Bakterien gleichermaßen angreifen.

Körperlich können hormonell bedingte Veränderungen, wie sie etwa während der Schwangerschaft auftreten, oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu einem Blähbauch führen. Zu den häufigsten Unverträglichkeiten zählen:

  • Fruktoseintoleranz (Fruchtzuckerunverträglichkeit)
  • Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)
  • Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)

Seltener sind die Symptome auf Krankheiten und Beschwerden wie das Reizdarm-Syndrom, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Galle oder Leber, einen Darmverschluss oder Darmkrebs zurückzuführen.

Psychische Ursachen

Viele Menschen leiden so unter Stress und Hektik, dass sie durch die körperliche Anspannung Luft nicht nur einatmen, sondern auch schlucken – die sogenannte Aerophagie. Aerophagie kann auch dann eintreten, wenn ein psychischer Konflikt noch nicht verarbeitet ist und die seelischen Belastungen im wahrsten Sinne des Wortes heruntergeschluckt werden. Als Folge der Aerophagie treten dann Beschwerden im Magen-Darm-Bereich auf. Betroffene können bei Entspannungstherapien wie Yoga oder autogenem Training wieder einen bewussteren und entspannteren Umgang mit dem eigenen Atem lernen.

Hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft

Viele Frauen leiden während ihrer Schwangerschaft unter Blähungen oder Völlegefühl. Denn das Hormon Progesteron sorgt dafür, dass sich die glatte Muskulatur entspannt. Durch die Erhöhung des Progesteronspiegels wird allerdings auch die Tätigkeit des Darms träger. Die Nahrung wird durch Progesteron zwar besser verwertet, zugleich wird jedoch die Gasbildung im Darm angekurbelt. Nach den ersten Schwangerschaftsmonaten klingen die Beschwerden in der Regel wieder ab.

Die Einnahme von Medikamenten

Einige Antibiotika, die Penicillin enthalten, können als unangenehme Nebenwirkung zu einer erhöhten Gasbildung führen. Auch bestimmte Abführmittel wie Lactulose-Sirup können zur Flatulenz beitragen.

Dreimonatskoliken bei Babys

Auch Babys werden in den ersten Lebensmonaten häufig von Blähungen geplagt. Bei den sogenannten Dreimonatskoliken reagiert der Säugling meist durch Weinkrämpfe auf die Beschwerden – eine oftmals strapaziöse Zeit für die Eltern.

Was Sie bei zu viel Luft im Bauch sofort tun können

Äußerliche Anwendungen

  • Bauchmassagen im Uhrzeigersinn regen die Verdauung an und helfen die Luft im Bauch weiterzuschieben. Die Bewegungen sollten mit leichtem Druck rund um den Bauchnabel erfolgen; das entspannt und entkrampft. Zur Unterstützung eignen sich Kümmel- oder Fenchelöl.
  • Wärme beruhigt den Verdauungstrakt und hilft gegen mögliche Bauchschmerzen. Dazu eignen sich beispielsweise Körnerkissen, Wärmflaschen, Wärmewickel oder warme Kartoffelauflagen.

Kräutertees

  • Eine Reihe von Kräutern besitzt eine beruhigende und entkrampfende Wirkung auf den Magen. Hierzu zählen Fenchel, Anis, Kümmel, Kamille oder Pfefferminze.

Bewegung

  • Bewegung, ob Sport oder ein kleiner Spaziergang, bringt den Kreislauf in Schwung und regt die Verdauung an.

Medikamente

  • Sogenannte Entschäumer mit den Wirkstoffen Dimeticon (Polydimethylsiloxan) oder Simeticon sorgen bei akuten Blähungen für Linderung.
  • Aktivkohle, beispielsweise in Kapsel- oder Pulverform, kann die Bildung neuer Gase deutlich reduzieren und wirkt generell entgiftend.
  • Mineral- und Heilerde wirkt ähnlich wie Aktivkohle und ist ebenfalls in Form von Kapseln oder Pulver erhältlich.

Vorbeugende Maßnahmen gegen einen Blähbauch

Ändern Sie Ihre Essgewohnheiten

Richten Sie den Fokus Ihrer Ernährung auf leichtes Essen und verzichten Sie weitestgehend auf schwere, fettreiche beziehungsweise üppige Mahlzeiten, da diese Blähungen begünstigen. Generell empfiehlt es sich, häufiger und dafür weniger anstatt seltener und viel zu essen. Mit fünf eher kleineren Essenseinheiten pro Tag und einem zeitlichen Abstand von zirka drei Stunden können Sie den Verdauungstrakt entlasten.

Ballaststoffreich oder entsprechend gewürzt

Ballaststoffe können die Verdauung ankurbeln. Allerdings bedeutet ballaststoffreich nicht, dass möglichst viel davon verzehrt werden sollten. Es kommt auf die richtige Menge an – die Aufnahme von zu vielen Ballaststoffen kann ebenfalls zu Verdauungsproblemen führen. Um eine verdauungsfördernde Wirkung zu erzielen, können Sie auf Flohsamen (über 80 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm) zurückgreifen und die Einnahme als morgendliches Ritual in Ihren Tagesstart integrieren. Geben Sie hierfür einen Teelöffel Flohsamenpulver in 100 Milliliter lauwarmes Wasser, verrühren Sie beide Komponenten und trinken Sie es anschließend.

Ebenso lassen sich mit bestimmten Gewürzen und Kräutern nicht nur Speisen und Gerichte veredeln, sondern verdauungsfördernde Wirkungen erzielen. Dazu zählen unter anderem Kümmel, Anis, Petersilie, Knoblauch, Zimt, Koriander, Majoran und Kurkuma.

Trinken Sie genügend und das Richtige

Die richtige Getränkewahl und die entsprechende Menge sind ausschlaggebend. Für die meisten Mensch gilt: Trinken Sie mindestens zwei Liter am Tag – am besten Wasser. Verzichten Sie auf kohlensäurehaltige Getränke.

Nehmen Sie sich Zeit

Genießen Sie Ihr Essen und schlingen Sie nicht. So gelangt weniger Luft in den Bauch. Und je besser Sie Speisen kauen, desto weniger Arbeit bleiben für den Magen und vor allem die Darmbakterien übrig.

Achten Sie auf regelmäßige Bewegung und einen gesunden Lebensstil

Wie bereits erwähnt, ist Bewegung der Verdauung zuträglich. Schon einfache Spaziergänge helfen. Noch besser ist es, wenn Bewegung zu einem gesunden Lebensstil gehört, in dem Alkohol und Kaffee möglichst wenig und Nikotin gar keinen Platz finden.

Dokumentation

Treten Blähungen häufiger auf, empfiehlt es sich, eine Art Ernährungstagebuch zu führen. Darin sollten Sie dokumentieren, was und wie viel Sie wann gegessen haben. Dadurch können Sie möglicherweise die Ursachen Ihrer Flatulenzen aufdecken. Zugleich erleichtern Sie Ihrem Arzt die Diagnose, falls beispielsweise eine Lebensmittelunverträglichkeit vorliegt.

Wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten

Wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas mit Ihrem Bauch nicht stimmt, lassen Sie sich untersuchen. Das sollten Sie vor allem tun, wenn sie unter regelmäßigen Magen-Darm-Beschwerden leiden, beispielsweise bei häufigem Auftreten eines Blähbauchs, Völlegefühls, bei Sodbrennen oder häufigem Aufstoßen.

Weiterführende Links zu „Luft im Bauch“

NetDoktor – Blähungen

Der Spiegel  – So vertreiben Sie Blähungen