Jahrestag Ishihara Schinobu

Ishihara Shinobu – Entwickler des Sehtests zur Farbwahrnehmung

Im ersten Moment werden viele von uns den Namen des japanischen Militärarztes und Augenheilkundlers vielleicht nicht zuordnen können. Dafür ist Ihnen der von ihm entwickelte Sehtest zur Farbwahrnehmung bestimmt schon einmal untergekommen! Die Entwicklung dieses Sehtests anhand von Prüfbildern jährt sich in diesem Jahr zum 100. Mal. Grund genug, ein wenig in der Biographie von Ishihara Shinobu zu stöbern und Ihnen das Prinzip seiner Farbtafeln ein wenig näher zu bringen, finden wir!

Wer war Ishihara Shinobu?

Gleich vorneweg: Da es sich um einen japanischen Namen handelt, steht der Familienname vor dem Vornahmen. Der Nachname des am 25.09.1879 geborenen Arztes lautet also Ishihara. 1905 graduierte er an der Universität von Tokyo in Medizin, und arbeitete anschließend als Chirurg in der japanischen Armee. Da seine Leidenschaft dem Sehen und der Augenheilkunde galt, begann Ishihara drei Jahre später diesen Fachbereich zu studieren. Eine Aufgabe von ihm war es, einen Test zu entwickeln, mit dem man Störungen des Farbsehens bei angehenden Rekruten feststellen konnte, denn Mitglieder der Armee sollten möglichst perfekt sein.

Hilfreich für Ishiharas Forschungen waren die Aufzeichnungen Johann Wolfgang von Goethes, dem die Farbenblindheit einiger Menschen als erstes aufgefallen war. Um sich weiterzubilden, reiste der japanische Arzt nach Deutschland und hielt sich bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges in Jena, Freiburg und München auf.

1917 hatte Ishihara die Aufgabe gelöst, und eine taugliche Diagnosehilfe entwickelt. Dabei handelte es sich um Tafeln, auf denen verschieden farbige und verschieden große Punkte zu sehen sind. Jene Menschen, die Farben unterscheiden können, sehen auch die sich darin verbergenden Buchstaben oder Zahlen. Menschen mit Farbsehstörungen können beispielsweise nicht eine Zahl aus grünen Punkten aus einem Hintergrund von roten Punkten herausfiltern.

Ishihara Shinobu verstarb 83-jährig am 03.01.1963, seine Farbtafeln finden noch heute weltweit Anwendung in der Augenheilkunde.

Was sind Störungen des Farbsinnes?

In Deutschland sind rund 9 % der Männer und 0,4 % der Frauen davon betroffen, Rot und Grün nicht unterscheiden zu können. Der Expertenausdruck lautet hierfür „Dyschromatopsie“. Diese Störung ist an das X-Chromosom gebunden, was die Erklärung dafür liefert, warum weitaus mehr Männer als Frauen betroffen sind.

Doch wodurch wird es uns überhaupt ermöglicht, mehrere tausend Farbnuancen wahrzunehmen? Dafür sind 6 Millionen zapfenförmige Sinneszellen in der Netzhaut zuständig. Davon gibt es 3 verschiedene Typen, die Rot-, Grün- und Blau-Rezeptoren. Daraus werden alle anderen Farben zusammengesetzt.

Leidet nun jemand an einer Störung des Farbensehens, fehlt ihm entweder einer der drei Rezeptoren, oder es sind sich zwei derart ähnlich, dass die Signale nicht richtig unterschieden werden können, und es kommt zu Farbverwechslungen. Zur Diagnose werden unter anderem immer noch die Farbtafeln von Ishihara Shinobu herangezogen.

Selten ist hingegen, dass jemand von Geburt an farbenblind ist. Von dieser Störung namens Achromatopsie sind in Deutschland rund 3000 Menschen betroffen. Da die Betroffenen nur Graustufen, Weiß und Schwarz wahrnehmen, bedeutet dies eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität. Mit dieser Erkrankung einher geht enorme Blendempfindlichkeit, was eine äußerst schlechte Sehkraft tagsüber zur Folge hat, sowie herabgesetzte Sehschärfe und Augenzittern.

Kann man Störungen des Farbsinns heilen?

Nachdem es sich um einen genetischen Defekt handelt, lässt sich eine Störung des Farbsinns auch nicht ursächlich behandeln. Im Tierversuchsmodell wurden allerdings mit Gentherapie bereits nennenswerte Erfolge erzielt.

Bis es jedoch zum Einsatz in der Augenheilkunde kommt, muss man sich noch mit einer Reihe Hilfsmitteln behelfen. Am bewährtesten ist hierbei eine Brille, die einer Sonnenbrille ähnlich sieht, aber in Wahrheit die Sättigung von roten und grünen Farbtönen unterstützt. Eine Farbsehschwäche ist teilweise ein Ausschlusskriterium für bestimmte Berufe (Pilot, Lokführer, Polizist…).

Wichtig: Wenn Sie an keiner angeborenen Störung des Farbensehens leiden, aber plötzlich eine solche bemerken, suchen Sie umgehend einen Augenarzt auf. Erkrankungen des Sehnervs oder der Netzhaut können nämlich ebenfalls Beeinträchtigungen verursachen, und eine Früherkennung ist wichtig!

„Herzglykoside“ oder auch Potenzmittel wie z. B. „Viagra“ können als Nebenwirkungen und besonders bei Überdosierung ebenfalls Veränderungen der Farbwahrnehmung zur Folge haben. Wenden Sie sich in dem Fall entweder direkt an den Sie behandelnden Arzt oder rufen Sie, besonders wenn Sie „Herzglykoside“ einnehmen und plötzlich Veränderungen des Farbsehens feststellen, gleich einen Krankenwagen.

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