Heilpflanzen Lexikon Fenchel

Fenchel (Foeniculum vulgare)

Wenn es in Ihrem Haushalt Kleinkinder gibt, ist Ihnen Fenchel bestimmt als Hausmittel gegen Blähungen und Bauchschmerzen bekannt. Doch wussten Sie, dass Fenchel zu den ältesten Gewürzen der Welt gehört?

Ursprünglich liegt seine Heimat in Mesopotamien und rund ums Mittelmeer. Im antiken Griechenland nahmen stillende Frauen Fencheltee, um die Milchbildung anzuregen. Im Mittelalter entdeckte man schließlich die Heilkraft des Fenchels bei Verdauungsbeschwerden. Den Weg nach Mittel- und Nordeuropa fand der Fenchel schließlich aufgrund der Mönche, er gilt als beliebteste Klosterpflanze.

Gestatten, mein Name ist Fenchel

Man unterscheidet zwei Unterarten des Doldenblütlers: Den Wildfenchel, welcher von scharfem Geschmack ist, und den Gartenfenchel. Von letzterem gibt es wiederum drei Varianten: Den Gemüsefenchel, der Bitterfenchel, welcher vor allem in der Medizin zum Einsatz kommt, sowie der Süßfenchel.

Beim Fenchel handelt es sich um ein 2-jähriges Kraut, das bei adäquater Haltung auch durchaus länger überlebt. Unter der Erde treibt der Fenchel knollenartige Zwiebeln aus, die Stängel tragen zwischen 6 und 29 Blütenstände (Dolden). Gelbe Kronblätter, sowie ein typischer, anisartiger Geruch gehören zu den Erkennungsmerkmalen des Fenchels, der von Juli bis September blüht.

An dieser Stelle warnen wir Sie auch eindringlich vor der Verwechslung von wild wachsendem Fenchel mit dem gefleckten Schierling, denn beide Pflanzen ähneln sich sehr. Beim Schierling handelt es sich allerdings um ein hochgiftiges Gewächs, welches (neben vielen anderen Opfern) den Philosophen Sokrates ins Grab brachte. Die einfachste Art, den Schierling zu erkennen, ist sein intensiver Geruch nach Mäuseurin.

Welche Pflanzenteile des Fenchels finden Anwendung?

Für die Medizin ist vor allem das ätherische Öl von Bedeutung, welches in den Fenchelfrüchten enthalten ist, und zwar allem voraus das Anethol. Weitere hochwertige Inhaltsstoffe sind fettes Öl, Cumarine, antioxidative Stoffe, sowie sekundäre Pflanzenstoffe.

Die Fenchelpflanze enthält zudem Kieselsäure, diverse Mineralsalze und Stärke, sowie die Vitamine A, B und C.

Im wildwachsenden Fenchel ist außerdem eine beachtliche Menge Estragol enthalten, weshalb der in der Medizin verwendete Fenchel ausschließlich aus Kulturen stammt, und den Gehalt von 5 % nicht übersteigt. Bis dato ist nicht ausreichend geklärt, ob Estragol eine krebsfördernde Wirkung hat. Das Bundesamt für Risikobewertung empfiehlt vor allem Schwangeren und Kindern, keine estragol- und methyleugenolhältigen Teezubereitungen und Gewürze in größeren Mengen über einen längeren Zeitraum hinweg einzunehmen. Dazu gehören auch Anis, Muskatnuss, Estragon oder Basilikum.

Viele Kräuter und Heilpflanzen können bei der Linderung von Beschwerden dienlich sein. Viele wissen allerdings gar nicht, wie vielseitig sie sind. In unserem Kräuter- und Heilpflanzenlexikon stellen wir Ihnen Baldrian, Ringelblume, Tyhmian & Co. genauer vor.

Anwendung und Wirkung des Fenchels

Neben den bekannten Hauptanwendungsgebieten Verdauungsstörungen und Erkrankungen der Atemwege wird der Fenchel –meist in Teeform- unterstützend gegen eine Vielzahl weiterer Beschwerden eingesetzt:

  • Reizdarmsyndrom,
  • prämenstruelles Syndrom,
  • Mundgeruch,
  • zur Milchbildung bei stillenden Müttern,
  • zur Steigerung der Libido,
  • um den Hormonhaushalt ins Gleichgewicht zu bringen.

Die ätherischen Öle Anethol und Fenchol sorgen dafür, dass sich zäher Schleim in den Bronchien löst, und fördern dessen Auswurf. Gegen Blähungen und Völlegefühl wird Fenchel in manchen Teemischungen auch kombiniert mit ähnlich wirkendem Anis und Kümmel.

Sowohl bei Erkältungen, als auch bei Verdauungsbeschwerden kann auch Fenchelhonig eingenommen werden. Fenchelhonig ist frei in der Apotheke verkäuflich, kann aber auch selbst aus frisch geschroteten Fenchelfrüchten und Bienenhonig hergestellt werden. Den Honig können Sie pur oder in Tee gelöst einnehmen.

An Kindern unter 1 Jahr sollten Sie allerdings grundsätzlich keine Honigzubereitungen verabreichen, da der Honig gelegentlich mit Bakterien verunreinigt ist, welcher im Säuglingskörper Vergiftungserscheinungen auslösen können. Ebenso gilt Vorsicht bei der Anwendung von ätherischen Ölen, die immer nur stark verdünnt zum Einsatz kommen sollten.

Fenchel aus eigenem Anbau

Der Fenchel eignet sich auch gut zur Aussaat am Balkon, auf der Terrasse oder im Garten. Die Samen sollten Sie Mitte März bis Anfang April aussäen. Da der Fenchel aus dem Mittelmeerraum stammt, freut er sich über einen sonnigen und warmen Standort, sowie regelmäßiges Gießen. Ende September können dann die Fenchelsamen, welche für die Teezubereitung von Bedeutung sind, geerntet werden. Die Fenchelknolle, welche als Gemüse verzehrt werden kann, sollten Sie 4 Monate nach dem Säen ernten, da sie sonst zäh und wenig wohlschmeckend werden.