Die richtige Windel

Die richtige Windel

Guter Rat ist gefragt bei werdenden Eltern. Wegwerfwindeln sind teuer und verursachen riesige Müllberge. Stoffwindeln sind unpraktisch, laufen eher aus und haben einen schrecklichen Öko- und altbackenen Touch. Sind diese Vorurteile überhaupt noch aktuell? Wir haben uns für Sie einmal intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt.

Kurze Geschichte der Windel

Der unaufhaltsame Boom der Einwegwindel begann 1961 in den USA. Sie war eine Revolution im Vergleich zu den damals erhältlichen Stoffwindeln. Diese waren nicht besonders saugfähig, mussten mühsam gefaltet werden, und es häuften sich stinkende Wäscheberge. Die Qualität der ersten Einwegwindel war natürlich nicht der Renner, wurden aber laufend verbessert. Seit 1980 gibt es die Beinbündchen als Auslaufschutz und folglich wurde die Windel 1984 körpergerechter zugeschnitten. 1987 verbesserte man den Saugkern, und 1994 kamen die wiederverschließbaren Klettverschlüsse auf.

Natürlich wurde aber auch die Stoffwindel inzwischen revolutioniert, sie wird mit einem saugfähigen Vlies ausgestattet, welches man entsorgen kann. Der Faltmechanismus funktioniert deutlich einfacher, und sie wird auch nicht mehr geknotet oder mit Sicherheitsnadeln verschlossen, Klett- und Druckverschlüsse haben Einzug gehalten.

Im Direktvergleich

Sowohl Einwegwindel als auch Stoffwindel haben Ihre Vorteile. Anhand der fünf Faktoren Saugfähigkeit, Hautverträglichkeit, Zeitaufwand, Umweltfreundlichkeit und Kostenersparnis vergleichen wir die beiden Windelarten.

Saugfähigkeit:

Beachtet man rein den Zeitraum, über welchen die Windel den Babypopo trocken hält, geht diese Runde an die Einwegwindel. Nasse Windeln sollten aber dennoch immer schnell gewechselt werden und nicht für ein Saugfähigkeitswettbewerb genutzt werden.  Bei einer gut schließenden Einwegwindel bleiben kleine Geschäfte durchaus eine Zeitlang unbemerkt, was sich in Kombination mit der Körperwärme nicht positiv auf die Haut im empfindlichen Windelbereich auswirkt.

Auch wenn viele Skeptiker anderer Meinung sind, aber die Stoffwindel hält, richtig angelegt und in der richtigen Größe verwendet, über einen normalen Zeitraum zwischen zwei Wickeleinheiten (rund vier Stunden) ebenfalls sehr gut dicht.

Im direkten Vergleich bedeutet das ein Unentschieden.

Hautverträglichkeit:

Diese Runde gewinnt die Stoffwindel, welche weicher, anschmiegsamer und atmungsaktiver ist. Damit dieser Punkt erfüllt ist, achten Sie bitte darauf, ein möglichst mildes Waschmittel zu verwenden und lassen Sie den Weichspüler weg. Wenn Pickel oder Rötungen auftreten, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass Ihr Baby das Waschmittel nicht verträgt.

Zeitaufwand:

Ein Punkt für die Einwegwindel: Windel voll, Mülltonne auf, Fall erledigt. Auch das Anlegen einer Einwegwindel funktioniert leichter als bei einer Stoffwindel und ist auch für Ungeübte im Wickeln leichter zu bewältigen. Bei einer Stoffwindel kommt auch noch die Reinigung hinzu.

Sie haben weitere Fragen zu Allergien, Familie und Kind oder Wellness-Themen? Dann werfen Sie einen Blick auf unseren Gesundheits-Ratgeber. In mehr als fünfzig Beiträgen geben wir Ihnen Tipps und Hintergrundinformationen, mithilfe derer Sie und Ihre Familie fit bleiben. Viel Spaß beim Lesen!

Umweltfreundlichkeit:

1 Tonne Windelmüll produziert Ihr Baby durchschnittlich, bis es trocken ist. Eine Einwegwindel braucht im Durchschnitt 200 Jahre, um zu verrotten. Somit geht der Punkt klar an die Stoffwindel… oder? Aber die muss doch auch gereinigt werden… Richtig! Das Waschen und eventuell der Trockner benötigen eine nicht unwesentliche Menge an Wasser und Strom. Das verwendete Waschpulver belastet wiederum die Gewässer, aber: Auch für die Herstellung der Einwegwindel wird eine Menge an Holz gebraucht, konkret an die 7 Millionen Bäume jährlich in Deutschland. Und damit daraus Zellstoff wird, braucht es auch Wasser, und nicht zu knapp. Der Sieger bleibt die Stoffwindel.

Kostenersparnis:

Eine Stoffwindel-Grundausstattung kostet rund 250 Euro. Dazu kommen aber noch Vlieseinlagen und der Größe angepasste Überhosen. Die Einwegwindel schlägt mit rund 30 Euro im Monat zu Buche. Bei rund 2 Jahren, in denen Windeln gebraucht werden, bedeutet dies 720 Euro. Eine Ersparnis von mindestens 400 Euro ist also möglich, wenn Sie in Stoffwindeln investieren. Allerdings sind noch die Kosten für die Reinigung der Stoffwindeln zu berücksichtigen.

Fazit

Wenn Sie nicht aus Kosten- oder Zeitgründen zu einem Windelsystem „gezwungen“ sind, lassen Sie Ihr Baby entscheiden. Wenn Stoff- und Einwegwindel probiert wurden, sehen Sie ohnehin, wie zufrieden Ihr Kind mit seiner Windel ist. Manche vertragen die künstliche Oberfläche von Einwegwindeln nicht, werden rot und wund – dann ist die Entscheidung für die Stoffwindel gefallen. Oder Ihr Kind hat einen enormen Bewegungsdrang, die Stoffwindel verrutscht häufig, das Geschäft landet nicht dort, wo es sollte, und Sie ersticken an der Schmutzwäsche? Dann ist die Einwegwindel wohl die beste Lösung für alle…

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