Diabetikerhund

Hundeberuf: Diabetikerwarnhund

Dass Hunde ihren Besitzern gegenüber sehr loyal und treu verbunden sind, hat ihnen die Bezeichnung „bester Freund des Menschen“ eingebracht. Hunde sind Rudeltiere und akzeptieren den Menschen als „Rudelführer“, wenn er den entsprechenden Umgang mit dem Tier beherrscht. Außerdem sind Hunde sehr sensibel und spüren sofort, wenn ihr Halter niedergeschlagen und traurig ist, und werden versuchen, ihn zu trösten. Doch was ist ein Diabetikerwarnhund? eurapon klärt auf!

Manche Hunde eignen sich aufgrund dieser Empathie und einigen weiteren Voraussetzungen dazu, zum Rehabilitations- bzw. Assistenzhund ausgebildet zu werden. In der Bergrettung als Lawinensuchhund und im Polizeidienst als „Drogenschnüffler“ sind uns Hunde bei der Arbeit geläufig. Auch Blindenhunde sind ein alltägliches Bild auf der Straße. Heute geht es jedoch um einen „Hundeberuf“, der noch weniger bekannt ist: Den Diabetikerwarnhund.

Was macht ein Diabetikerwarnhund?

Auch hier macht sich der Mensch die feine Spürnase des Vierbeiners zunutze: Nach einer speziellen Ausbildung riecht der Hund an der Atemluft seines an Diabetes erkrankten Besitzers, ob eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) vorliegt. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Patient die regelmäßigen Blutzuckermessungen einstellen und dem Hund die Verantwortung überlassen darf. Der Diabetikerwarnhund soll als Freund und Stütze für hauptsächlich Typ 1-Diabetiker dienen.

An Diabetes Typ 2 erkrankte Patienten sind seltener insulinpflichtig und haben eher Probleme mit zu hohem Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie).  Da sich die Insulintherapien jedoch laufend verbessern, treten schwere Unterzuckerungszustände inzwischen immer seltener auf. Wenn der Blutzucker rapide absinkt und nicht rechtzeitig vom Patienten dagegen gesteuert wird (medikamentös oder mit Traubenzucker), kann der Betroffene bewusstlos werden und in ein diabetisches Koma fallen. Vor allem in ungewohnter Umgebung und auf Reisen steht der Körper ohnehin schon unter Stress (siehe hierzu auch „So reisen Sie mit Ihrer Diabetes„).

Der Diabetikerwarnhund hat also die Aufgabe, den Patienten von seiner Unterzuckerung zu informieren, was besonders nachts oder bei Kindern eine sehr wichtige Aufgabe ist. Der Hund erlernt durch intensives Training, den Patienten zu wecken, ein Blutzuckermessgerät oder Traubenzucker zu apportieren, Familienmitglieder auf den Notfall aufmerksam zu machen etc. Manche allein lebende Diabetiker verfügen auch über eine Notfallklingel, die der Hund im Bedarfsfall betätigen kann.

Woran bemerkt der Hund die Unterzuckerung?

Leiden wir an Unterzuckerung, schüttet unser Körper Stresshormone aus. Ein speziell trainierter Hund ist in der Lage, dies am veränderten Geruch seines Halters zu erkennen. Außerdem sollten die beiden so ein eingespieltes Team sein, dass dem Hund auch sofort Änderungen im Verhalten des Diabetikers auffallen. Was für den Hund wie ein Spiel abläuft, kann in der Wirklichkeit über Leben und Tod entscheiden.

Wie wird ein Hund zum Diabetikerwarnhund?

Grundsätzlich sollte der Hund die allgemeinen Voraussetzungen erfüllen, die ein Assistenzhund braucht. Dazu gehören:

  • Er sollte möglichst gering ablenkbar sein,
  • über einen möglichst geringen Jagdtrieb verfügen,
  • ein nettes, freundliches Wesen,
  • ein guter Grundgehorsam
  • ausgezeichnete Gesundheit, von einem speziell geschulten Tierarzt bescheinigt.

Einem Diabetikerhund wird sehr viel abverlangt, denn während ein Drogenspürhund auf Kommando über einen bestimmten Zeitraum von 10 bis 15 Minuten intensive Nasenarbeit leisten muss, ist der Diabetikerwarnhund im Dauereinsatz.

Die Ausbildung erfolgt mit Hund und Halter gemeinsam, schließlich müssen beide ein komplett eingespieltes Team sein. Der Geruchssinn wird mit Atem- und Speichelproben geschult, später erfolgt das Live-Training. Der Hund wird zu jeder Tages- und Nachtzeit und an allen Orten, die er kennen muss, trainiert

Theoretisch kann jeder Hund zum Diabetikerwarnhund ausgebildet werden, allerdings ist es wünschenswert, wenn der Hund über einen ausgeprägten Geruchssinn verfügt, wie Schäferhunde oder Labradore. Mops oder Doggen leiden öfters an Atemproblemen, und sind aufgrund ihrer kurzen Nasen weniger gut geeignet.

Wer übernimmt die Kosten für den Diabetikerwarnhund?

Ein fertig ausgebildeter Diabetikerwarnhund kostet zwischen 25.000 und 30.000 Euro. Die Krankenkassen zahlen üblicherweise keinen Beitrag dazu. Wenn Sie eine Anschaffung überlegen, lohnt es sich, nach Sponsoren zu suchen, bzw. über Crowdfunding nachzudenken. Die Kosten, bei einem ausgebildeten Hundetrainer einen Hund selbst auszubilden, liegen bei 3000 bis 4000 Euro.

Nähere Informationen finden Sie beim Diabetikerwarnhunde-Netzwerk, dort finden Sie auch die Adressen von ausgebildeten Trainern aus Ihrer Region.