Burnout verhindern bei pflegenden Angehörigen
Kommentare 0

Burnout verhindern bei pflegenden Angehörigen

Wenn ein Angehöriger plötzlich zum Pflegefall wird, hebt sich das gewohnte Leben aus den Angeln. Besonders, wenn Sie sich dazu entschieden haben, Ihren Angehörigen zu Hause zu pflegen, ist dieser Artikel besonders wichtig für Sie. Er handelt nämlich von Ihren Gefühlen und Bedürfnissen, etwas, was man als pflegender Angehöriger oftmals verdrängt. Anfangs, weil so viel Neues auf Sie einstürmt, dass Sie gar keine Zeit haben, an eigene Bedürfnisse zu denken. Später, weil Sie sich eventuell „egoistisch“ vorkommen, neben dem Pflegebedürftigen, der es doch viel schlechter hat, eigene Bedürfnisse anzumelden. Und irgendwann hat sich die ganze Situation so eingespielt, dass keine Zeit für Ihre Bedürfnisse vorgesehen ist, auch wenn Sie nun wieder gerne etwas mehr Freiraum hätten.

Von Anfang an klare Linien ziehen

Vorneweg: Sie sind durch nichts und niemanden dazu verpflichtet, selbst die Pflege zu übernehmen. Dies sollten Sie nur tun, wenn Sie sich körperlich und psychisch dazu in der Lage fühlen. Außerdem sollten niemals nur Sie alleine in die Pflege eingebunden sein, auch wenn es vielleicht dem Wunsch des Pflegebedürftigen entspricht. Ältere Personen, vor allem, wenn auch noch eine Erkrankung wie eine Demenz vorliegt, lehnen oft fremde Betreuungspersonen ab und dulden nur bestimmte Personen in ihrer Umgebung.

Auch wenn Sie großes Mitleid mit der Person empfinden, lassen Sie sich dennoch besser nicht auf so einen „Deal“ ein. Vor allem, wenn der Zeitraum der Pflegebedürftigkeit nicht abzusehen ist, oder sich der Zustand des Patienten weiter verschlechtert, werden Sie irgendwann unabänderlich in einen Zustand des völligen seelischen und körperlichen Ausgebranntseins geraten.

Besprechen Sie offen mit Ihrer Familie und dem Pflegebedürftigen, welche Hilfeleistung Sie zu geben imstande sind, und was anderweitig (durch ambulanten Pflegedienst oder andere Familienmitglieder) abgedeckt werden muss. Bedenken Sie: Niemandem, am wenigsten dem Pflegebedürftigen selbst, ist geholfen, wenn Sie aufgrund der Pflegebelastung einen Erschöpfungszustand bis hin zum Burnout erleiden. Bis Sie sich davon nämlich wieder erholt haben, muss der Pflegebedürftige sehr lange fremdbetreut werden, bzw. ist eine häusliche Pflege nicht mehr möglich. Und genau das wollten Sie ja eigentlich vermeiden!

Teilen Sie Ihre Last mit anderen

Als pflegender Angehöriger gerät man sehr schnell in die soziale Isolation. Sie sind gefangen in einem Tagesablauf, in dem sich alles um das Wohlergehen des Pflegebedürftigen dreht. Einladungen werden nicht mehr wahrgenommen, deshalb werden auch irgendwann keine mehr ausgesprochen. Man nimmt nur noch die notwendigsten Termine wahr, und selbst dort sitzt man auf glühenden Kohlen, wenn an der Supermarktkasse eine lange Schlange ansteht, oder das Wartezimmer des Arztes überfüllt ist. Frühere Bekannte und Freunde können vielleicht die neue Situation nicht ganz nachvollziehen, geben auch möglicherweise unpassende Ratschläge, sodass der Kontakt immer sporadischer wird. Lassen Sie es nicht so weit kommen!

Planen Sie zumindest einen freien Nachmittag/Abend in der Woche ein. An dem wird der Pflegebedürftige fremdbetreut und Sie können sich Ihrem Vergnügen widmen. Keinesfalls sollten Sie die freie Zeit dazu nutzen, Dinge zu erledigen, die „sonst immer auf der Strecke bleiben“, wie Haushaltstätigkeiten etc. Vergessen Sie nicht: SIE bleiben auf der Strecke. Machen Sie die Dinge, die Ihnen früher Freude bereitet haben. Ob das nun sportliche Betätigung, ein Kino- oder Konzertbesuch, ein Treffen mit Freunden oder Shopping ist, bleibt ganz Ihnen überlassen. Die Hauptsache ist, die Tätigkeit trägt zu Ihrer Entspannung und Ihrem Wohlbefinden bei.

Informieren Sie sich im Internet über Selbsthilfegruppen pflegender Angehöriger in Ihrem Ort. Oftmals gibt es diese auch krankheitsspezifisch (z.B. für Angehörige von Demenzkranken, Schlaganfallpatienten, MS-Kranken etc.). Hier finden Sie Verständnis für Ihre Situation, und Sie werden merken, Sie sind nicht allein mit Ihren Problemen.

Legen Sie sich ein „dickes Fell“ zu

Dieser Punkt ist schwierig zu befolgen, denn wie soll man überhören, wenn der einst liebevolle Angehörige plötzlich unzufrieden, schlecht gelaunt und stets am Nörgeln ist? Auch dafür hat man anfangs Verständnis. Schließlich ist auch für den Pflegebedürftigen die Situation höchst unerfreulich, plötzlich ständig auf Hilfe angewiesen zu sein, wenn er vorher alles selbständig gemeistert hat.

Doch irgendwann kommt der Moment, wo Sie sich fragen, wie Sie jemals etwas zur Zufriedenheit erledigen können, warum immer über Sie das Füllhorn mit schlechter Laune und Negativität ausgekippt wird, und womit Sie diese ganze Situation verdient haben.

Fakt ist: Versuchen Sie, so wenig wie möglich persönlich zu nehmen. Denken Sie daran, der Pflegebedürftige hadert mit seinem Schicksal und ist mit seiner Situation unzufrieden. Wie lange es dauert, bis bzw. ob überhaupt je ein Arrangement stattfinden wird, hängt von der Persönlichkeit des Betroffenen und dem Ausmaß der Pflegebedürftigkeit ab. Suchen Sie nach Gesprächsmöglichkeiten für sich, um sich diese Last von der Seele zu reden. Ob bei einem Psychotherapeuten oder einer guten Freundin, bleibt Ihnen überlassen. Ist der Pflegebedürftige depressiv, neigt zu aggressiven Ausbrüchen oder es kommt sogar zu Eigen- oder Fremdgefährdung, dann sprechen Sie umgehend mit seinem behandelnden Arzt.

Diese Symptome sind Alarmzeichen:

Wenn Sie mehrere dieser Symptome bei sich wiederfinden, besteht höchster Handlungsbedarf, es handelt sich hierbei um ein beginnendes Burnout!

  • Gefühl der dauernden Erschöpfung,
  • man kann nicht mehr abschalten,
  • man hat kaum Erholungspausen zur Verfügung,
  • dieselben Aufgaben benötigen immer mehr Zeit und Energie,
  • eigene Bedürfnisse werden nicht wahrgenommen,
  • soziale Kontakte sind nur mehr sehr eingeschränkt vorhanden,
  • Schlafmangel,
  • Unfähigkeit, Freude oder Zufriedenheit zu empfinden,
  • ständiger Zeitmangel und –druck.

Informieren Sie umgehend Ihre Angehörigen, dass Sie eine Auszeit benötigen. Und denken Sie daran: Sie müssen deswegen kein schlechtes Gewissen haben, Sie sind auch niemandem Rechenschaft oder eine Erklärung schuldig. Nur sich selbst – wenn Sie zu wenig achtsam mit sich sind, und selbst krank werden.

 

Schreibe eine Antwort