Heilpflanzen und Kräuter Lexikon Baldrian
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Baldrian – Arzneipflanze gegen Schlafproblemen oder nervösen Störungen

Wenn Sie auf der Suche nach einem pflanzlichen, nicht abhängig machenden Beruhigungsmittel sind, kommt man kaum um den Baldrian herum. Bei Schlafproblemen oder nervösen Störungen ist er in Tee- oder Tropfenform oft das Mittel der ersten Wahl. Die Heilkraft des Baldrians ist hauptsächlich im ätherischen Öl seiner Wurzeln zu finden, das aus vielen verschiedenen Komponenten besteht. Als Hauptinhaltsstoff ist das Bornylacetat zu nennen.

Bereits bei den alten Griechen und Römern kam Baldrian zum Einsatz, um das Jahr 1000 n. Chr. wurden ihm geheime Kräfte zugesprochen und er als Heilkraut der Muttergottes bezeichnet.

Die Baldrianpflanze ist sowohl in Europa, als auch in Asien, Russland sowie Nordamerika heimisch und bevorzugt halbschattige Standorte mit nährstoffreichem Boden.

Lange Tradition als Arzneipflanze

Der medizinisch verwendete Baldrian trägt den botanischen Namen „Valeriana officinalis und ist aufgrund seiner langen Geschichte unter vielen Synonymen bekannt, wie z.B. Katzenkraut, Hexenkraut, Mondwurzel oder Stinkwurz. Der eigentümliche, durchdringende Geruch des Baldrians wurde sogar zur „Abwehr des Bösen“ eingesetzt. Für die heilkundige Äbtissin Hildegard von Bingen stellte der Baldrian das perfekte Mittel zur Bekämpfung der Gicht dar.

Dass der Baldrian beruhigende Wirkung hat, wurde erst im 18. und 19. Jahrhundert entdeckt, und tatsächlich gelangt es erst in den 1960er Jahren, genauere Hinweise für die Wirksamkeit der Pflanze zu finden.

Zum Einsatz in Medizin und Pharmazie gelangen die getrockneten und geschnittenen Rhizome, also der unterirdische Wurzelstock, sowie Wurzeln und deren dünne Ausläufer. Daraus werden durch die Beigabe von Ethanol Flüssig- und Trockenextrakte gewonnen. Oberirdisch wächst die Pflanze 0,5 bis 1,7 Meter hoch, die weiß bis rosa Blüten stehen in Dolden und verströmen den charakteristischen Geruch.

Genauer Wirkmechanismus bis heute nicht bekannt

Dass die Extrakte der Baldrianwurzel beruhigend, entspannend, angstlösend und schlaffördernd wirken, ist wissenschaftlich bewiesen. Allerdings ist nicht genau bekannt, von welchem Inhaltsstoff die Wirkung ausgeht, oder ob mehrere daran beteiligt sind. Die Wirkweise von Baldrian wird in der Literatur solchermaßen beschrieben, dass es Wechselwirkungen zwischen den Inhaltsstoffen und bestimmten Rezeptoren (Zellstrukturen welche zur Aufnahme von Signalen befähigt sind) in den Nervenzellen gibt. Dies führt zu Entspannung und Entkrampfung. Außerdem sind die im Baldrian enthaltenen Valepotriate als krampflösend bekannt, diese sind auch für den typischen Geruch verantwortlich. Weiterhin enthalten sind Alkaloide, Ameisensäure, Essigsäure, Valeriansäure, Gerbstoffe und Schleimstoffe.

Anwendungsgebiete von Baldrian:

Wird Baldrian tagsüber gegen Unruhe, zur Steigerung der Konzentration und des Antriebs, bzw. zur Stresslinderung eingenommen, erfolgt dies meistens in Form von Tropfen, Filmtabletten oder Dragées. Zur Förderung des Schlafes nehmen Sie Baldrian eine halbe bis eine Stunde vor dem Schlafengehen ein, hier erfolgt die Einnahme auch oft in Teeform. Baldrian wird oftmals kombiniert mit anderen beruhigenden, entspannungsfördernden Heilpflanzen wie Hopfen oder Melisse. Zur Entspannung der Muskulatur empfiehlt sich ein Vollbad mit der Beigabe von ätherischem Baldrianöl.

Um einen Therapieerfolg zu erzielen, sollte die Anwendungsdauer mindestens 2 bis Wochen betragen. Ein großer Vorteil ist, dass Baldrianpräparate eine echte Alternative zu synthetischen Schlafmitteln darstellen, allerdings ohne deren Nebenwirkungen auskommen, wie z.B. Benommenheit. In den ersten Stunden nach der Einnahme ist allerdings eine Verminderung der Reaktionsfähigkeit möglich. Wenn eine Langzeitanwendung mit Baldrian erfolgt ist, sollte das Präparat nicht abrupt abgesetzt, sondern langsam reduziert werden.

Weitere Einsatzgebiete für Baldrian sind: Migräne, Wechseljahrbeschwerden, Überarbeitung, Prüfungsstress oder Reizmagen.

Baldrian, die Katzendroge?

Die enthaltene Valeriansäure sorgt dafür, dass manche Katzen völlig am Rad drehen, wenn sie den Geruch von Baldrian vernehmen. Auch rollige Katzen sondern Valeriansäure ab, deshalb stellt der Baldriangeruch für Katzen einen Sexuallockstoff dar. Die starken Reaktionen von Katzen auf Baldrian sind ungefährlich, auch in der Natur fühlen sich Katzen von Baldrian angezogen. Das gilt übrigens auch für Großkatzen wie Löwen und Tiger!

Nebenwirkungen von Baldrian:

Es können Überempfindlichkeitsreaktionen wie Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Juckreiz oder Kopfschmerzen auftreten. Bei Einnahme von anderen Medikamenten, insbesondere Beruhigungs- und Schlafmittel, sollte ärztlicher Rat bezüglich eventueller Wechselwirkungen eingeholt werden. Auch Schwangere, Stillende oder Kinder unter 12 Jahren sollten Baldrian nur auf ärztlichen Rat hin einnehmen. Alkohol kann die Wirkung von Baldrian verstärken. Übrigens gilt bei vielen Baldrian-Präparaten Vorsicht für trockene Alkoholiker, da oftmals Alkohol enthalten ist.

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