Erste Hilfe abgebrochener Zahn

Abgebrochener Zahn: Erste-Hilfe-Maßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

Wenn beim Essen oder durch einen Unfall ein Zahn abbricht, ist der Schrecken groß. Wie Sie im Notfall richtig reagieren, verraten wir Ihnen hier.

DOs zur Soforthilfe bei einem abgebrochenen Zahn

  • Wenn Sie aus dem Mund bluten, überprüfen Sie, ob Zähne stark gelockert oder ausgeschlagen wurden. Falls möglich, entfernen Sie die Zähne aus dem Mund, damit Sie sie nicht versehentlich verschlucken.
  • Stoppen Sie mögliche Blutungen durch den Biss auf ein sauberes Taschentuch oder besser einen Mullverband.
  • Treten Schmerzen und/oder Schwellungen auf, kühlen Sie die betroffene Stelle von außen.
  • Bewahren Sie das abgebrochene Zahnstück feucht auf – beispielsweise in kalter H-Milch oder auch in steriler Kochsalzlösung. Im Idealfall geben Sie das Fragment in eine sogenannte Zahnrettungsbox.
  • Suchen Sie schnellstmöglich einen Zahnarzt auf, denn ein abgebrochener Zahn ist besonders anfällig für Bakterien und Entzündungen.

DON’Ts bei der Soforthilfe bei einem abgebrochenem Zahn

  • Schieben Sie den Zahnarztbesuch keinesfalls auf die lange Bank. Am Wochenende oder an Feiertagen sollten Sie sich nicht scheuen, den zahnärztlichen Notdienst aufzusuchen.
  • Der abgebrochene Zahn darf nicht in Wasser gelagert werden. Austrocknen darf er jedoch auch nicht.
  • Fassen Sie den Zahn ausschließlich an der Zahnkrone an, nicht an der Wurzeloberfläche, damit die Zellen keinen Schaden nehmen.
  • Verzichten Sie auf eine Reinigung. Diese wird fachgerecht vom Zahnarzt durchgeführt.
  • Versuchen Sie nicht, einen komplett herausgebrochenen Zahn eigenhändig wieder einzusetzen, denn dabei könnten Sie die Wurzelfasern irreparabel beschädigen.

Wie geht der Zahnarzt bei einem abgebrochenen Zahn vor?

Wenn Sie mit einem abgebrochenen Zahn einen Zahnarzt aufsuchen, kommt es zunächst zu einem ausführlichen Patientengespräch. Der Arzt wird Sie fragen, wie genau der Zahn abgebrochen ist und ob Sie unter weiteren Symptomen leiden, beispielsweise unter Kopfschmerzen oder Übelkeit. Vor allem nach einem Unfall könnten dies Hinweise auf ein Schädel-Hirn-Trauma sein. Es folgt eine Untersuchung des gesamten Mundraums, in deren Verlauf der Zahnarzt überprüft, ob weitere Zähne in Mitleidenschaft gezogen wurden und/oder ob das Zahnfleisch verletzt ist.

Ordnet der Zahnarzt eine Röntgenaufnahme an, gibt es drei verschiedene Vorgehensweisen:

  • Röntgenaufnahme eines einzelnen Zahns
  • Aufbissaufnahme (Okklusalaufnahme): senkrechtes röntgen der Zähne
  • Panoramaschichtaufname (PSA), das heißt eine Übersichtaufnahme aller Zähne und großer Teile des Kiefers

Die Behandlung des abgebrochenen Zahns

Sobald der Zahnarzt sich ein umfassendes Bild des Schadens gemacht hat, leitet er eine geeignete Behandlung ein. Diese ist immer abhängig von Art und Ausmaß der Fraktur. Nachfolgend ein Überblick über typische Zahnverletzungen und gängige Behandlungsmethoden.

1. Schmelzfraktur

Bei einer Schmelzfraktur handelt es sich um einen Bruch oder Riss, der ausschließlich den Zahnschmelz betrifft. Sofern es keinen Hinweis auf eine tiefer gehende Verletzung gibt, repariert der Zahnarzt den Schaden mit einem zahnfarbenen Füllmaterial.

2. Kronenfraktur ohne Pulpabeteiligung

Hat die Krone Schaden genommen, ohne dass die Pulpa (der Zahnnerv) in Mitleidenschaft gezogen wurde, reinigt der Zahnarzt die Bruchstelle zunächst mit einer kleinen Bürste. Ist das abgebrochene Stück noch vorhanden und korrekt aufbewahrt, kann es eventuell mithilfe eines zahnmedizinischen Klebstoffs wieder angeklebt werden. Ist dies nicht möglich, nimmt der Zahnarzt eine Restaurierung mit einem speziellen Kompositmaterial vor.

3. Kronenfraktur mit Pulpabeteiligung

Bei einer Kronenfraktur mit Pulpabeteiligung liegt der Zahnnerv offen. In diesem Fall behandelt der Zahnarzt zunächst das Zahninnere, um Infektionen vorzubeugen. Wichtig: Die Versorgung muss sehr zeitnah erfolgen, am besten innerhalb von zwei Stunden. Innerhalb dieses Zeitraums kann die Pulpa besonders effektiv mit einem Medikament aus Kalziumhydroxid abgedeckt und geschützt werden. Suchen Sie erst später einen Zahnarzt auf, ist es meist erforderlich, einen Teil der Pulpa abzutragen oder diese sogar ganz zu entfernen.

4. Kronen-Wurzel-Fraktur

Bei einer Kronen-Wurzel-Fraktur liegen mehrere Frakturen an der Wurzel und der Krone vor. In vielen Fällen lässt sich der Zahn nicht mehr retten – manchmal kann er jedoch vorübergehend stabilisiert oder mit einer Kronenverlängerung versehen werden, um ihn zu einem späteren Zeitpunkt zu restaurieren.

5. Avulsion

Bei einer Avulsion ist der Zahn vollständig herausgebrochen. Eine korrekte Lagerung des Zahns und eine schnellstmögliche Behandlung sind in diesem Fall besonders wichtig. Der Zahn kann dann unter Umständen wieder eingesetzt werden und wird für 10 bis 14 Tage an den Nachbarzähnen fixiert.